Street Food Market: Schlange stehen in Bielefeld

Die ganze Woche habe ich mich schon auf den ersten Bielefelder Street Food Market gefreut. Das Konzept? Unkompliziert. Der Ringlokschuppen (unter normalen Umständen als Disco und Konzertsaal bekannt) bekommt für einen Tag einen etwas erweiterten Außenbereich. Hier sowie in der „Mainhall“ stehen Foodtrucks, Buden, Theken, Bistrotische und von irgendwoher kommt auch ein Ntz-Ntz-Boom. Die Aussteller konnten sich im Vorfeld bewerben und ihr Produkt vor Ort an den Mann bringen. Geöffnet war der Markt nur am Freitag zwischen 16 und 23 Uhr.

Menschenmassen noch und nöcher

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Als wir gegen 19 Uhr in Bielefeld angekommen sind, wurde schnell klar, dass die über 7000 Zusagen bei der Facebookveranstaltung tatsächlich Wort halten. Mit dem Auto bis zum Ringlokschuppen zu kommen war schon eine kleine Herausforderung. Ich musste ja gottseidank nicht fahren und konnte mir das Drama der verstopften Kreuzung vom Beifahrersitz aus angucken. Der nächste Schreck waren die endlosen Pilgerscharen hungriger Menschen, die gen Eingang unterwegs waren. Ein Stop war aber bald in Sicht, denn die Schlange zog sich bis zur Hauptstraße. Schlange stehen zeichnet sich also zügig als Hauptbeschäftigung des Abends ab. Kurz vor dem Verdursten und mit knurrenden Mägen haben wir es dann doch erfreulicherweise wenig später auf das Gelände des alten Bahnbetriebswerks geschafft. Mit den geforderten 3 Euro Eintritt konnten wir auch leben ohne zu murren.

Schnurrstracks ging es nun in Richtung Mainhall. Die Entscheidung fiel nach den geringsten Menschenmassen auf dem Weg. InDSC_8650 der Halle gab es 6 Aussteller und eine Getränketheke. Die Schlangen vorm Mexikaner und dem Pizzabüdchen waren leider so endlos lang, dass wir es uns nicht zugetraut haben, solange ausharren zu können. So ging es in die deutlich kürzere Warterei vor dem japanischen Streetfood. Hier gab’s auch eine kleine Enttäuschung: von den 4 angeschlagenen Gerichten waren 2 bereits ausverkauft bzw. befanden sich in der Nachproduktion. Wartezeit: 20 Minuten. Also haben wir uns umentschieden. Es gab letztendlich vegetarisches Curry mit Reis und quasi frittierte Sandwiches mit Curry gefüllt. Lecker war’s – nur so richtig japanisch kam’s mir nicht vor. Das Curry war auch für den eigentlich gewollten Streetfood-Charakter viel zu viel.

Nach dem ersten gestillten Hunger und dem nächsten Schlangestehen für Getränke haben wir uns dann aufgeteilt und an verschiedenen Büdchen gefuttert. Getestet haben wir unter anderem Wildbratwürstchen mit Preiselbeerdip (lecker!), Lachs von der Planke „New Orleans-Style“ mit Gemüse, Tandoori Chicken, Frozen Yoghurt (für mich mit Schokosoße, Erdbeersoße und Kinderschokolade) und mein Highlight: Melonen-Shrimp-Coktail mit Tomatenpesto. Zu finden gab es auf jeden Fall für jeden Geschmack etwas. Viele Buden hatten vegetarische Gerichte dabei, einige haben sich gar komplett auf veganes Essen ausgerichtet. Es gab sogar ein Büdchen mit indianischem Essen (gesichtet habe ich Süßkartoffelpommes  – die gibt’s bei mir auch die Tage) und riesen große Paella-Pfannen.

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Eine super ausbaufähiges Konzept

Auch wenn meinem Bericht ein leicht genervter Unterton hinterliegt, hat mir der Street Food Market grundsätzlich gut gefallen. Die Idee so etwas hier in die Region zu holen ist toll und die Location prinzipiell auch dafür prädestiniert. Das Hauptproblem ist, dass wohl weder Veranstalter noch Aussteller mit dieser Menschenmenge gerechnet hatten. Auf der Facebookseite der Veranstaltung hieß es im Vorfeld „Parkplätze seien vorhanden“. Leider waren keine Vorschläge ausgeschrieben, wohin man sich zum parken orientieren soll. Auch die Hoffnung, dass die in der Umgebung wachenden Herren in gelben Warnwesten zu einer passenden Lücke dirigieren können, war vergebens. Die waren nur dafür da, Leute vom Parken auf den Plätzen des Supermarkts oder Fitnessstudios abzuhalten.

Einige Buden haben gar gegen 20 Uhr bereits ihre Pforten geschlossen – nichts mehr da. Verständliches Problem – man kann ja nun einmal nur eine gewisse Menge an Lebensmitteln vorbereiten. Allerdings waren einige Menüs auch eher mäßig gut geeignet für diese Art von Veranstaltung. Hier sollte gelten: schnell, klein, günstig, lecker. Viele der Jungs und Mädels in den Buden waren auch schlichtweg überfordert. Ich kann das absolut nachvollziehen und hatte größtes Mitleid.

Insgesamt war es ein schöner Abend, den ich allerdings hätte mehr genießen können, hätte man nicht ewig in der Schlange gestanden und wäre vor allem im Außenbereich etwas mehr Platz geschaffen worden, um sich auch einfach mal mit dem ergatterten Futter zurückzuziehen. Die wenigen Sitzgelegenheiten waren logischerweise konstant belegt und teilweise waren die „Gänge“ so schmal  geschnitten, dass wir mit unserem Grüppchen von 6 Leuten schon Probleme hatten einfach kurz stehen zu bleiben.

Ein paar gute Anregungen habe ich mir auf jeden Fall mitgenommen. Ich hätte gerne einiges mehr probiert oder wenigstens näher angeschaut, aber das war einfach nicht möglich. Ich hoffe, dass die Veranstaltung wiederholt wird und dabei vielleicht auch eine Entzerrung stattfindet. Ein Aufteilen auf 2-3 Veranstaltungstage könnte da schon helfen. Vielleicht wäre ein Sonntag auch nicht so verkehrt – da könnte man wenigstes vor den Geschäften in der Umgebung parken. Der Plan ist übrigens im nächsten Jahr selbst dort auszustellen.  Hiermit  ist dies schriftlich festgehalten. Your move, Janek!

Update 13.7.2015: Bei der Arbeit bin ich heute auf eine Seite aufmerksam geworden, die prima zum Thema passt. Das Blog „GoEuro“ hat sich die besten Street Food Märkte in Europa vorgeknöpft und stellt diese vor. Hier geht’s lang!

Ich war natürlich auch mit Kamera unterwegs. Zwar hat’s nicht ganz so geklappt mit den Bildern, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber immerhin.

Ein Kommentar zu „Street Food Market: Schlange stehen in Bielefeld

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