Mondscheinkino: Schauderhaft schöne Stimmung

Es ist mal schon wieder Zeit für einen Erlebnisbericht. Keine Sorge, das Kochen kommt nicht zu kurz und bald gibt’s auch neue Rezepte. Die Bilder liegen schon bereit und ich muss nur noch in die Tasten hauen… 😉 Zunächst möchte ich euch aber von meinem Donnertsagabend berichten, der in der mystisch-schönen Atmosphäre am Fuße der Grotenburg stattgefunden hat. Es ging zum Auftakt der Saison des Detmolder Mondscheinkinos. Gezeigt wurde Nosferatu – ja, der Stummfilm von 1922! Das Ganze wurde musikalisch unterlegt von einem zauberhaften Pianisten. Stefan Graf von Bothmer spielt nach eigener Aussage etwa 100 Stummfilmkonzerte im Jahr und gilt als einer der bekanntesten Stummfilmpianisten. Wer die Gelegenheit bekommt, sich eines dieser Stummfilmkonzerte anzuschauen, sollte das unbedingt machen.

Hier ein kurzer Einblick wie das bei Nosferatu geklungen hat:

Von Vampiren, Geistern und Zaubereien

Nosferatu erzählt die Geschichte der schönen Ellen, die im verschlafenen Dörfchen Wisborg lebt. Ihr geliebter Thomas Hutter wird alsbald aufnos Reise nach Transylvanien geschickt, wo er dem Grafen Orlok eine Immobilie in Wisborg schmackthaft machen soll. Auf dem Weg zu Orloks Schloss findet Hutter in einem Gasthaus ein Buch mit dem Titel „Von Vampyren, erschrökklichen Geistern, Zaubereyen und den lieben Todsünden“. Die erste Seite schlägt er auf:

„Aus dem Samen Belials erstund der Vampyr Nosferatu als welcher sich nähret von dem Blute der Menschlichkeit. Unerlöset hauset er in erschrökklichen Höhlen, Grabkammern und Särgen, so gefüllet seyen mit gottverfluchter Erde von den Heelern des schwarzen Todes.“

(Meine Fraktur-Lesekompetenz ist über die Jahre etwas eingeschlafen, daher garantiere ich keine Richtigkeit dieser Transkription)

Ganz ehrlich, das klingt nach einem Buch, das ich lesen würde. Hutter jedoch lacht herzhaft über diesen fantastischen Titel, knallt das Buch zurück ins Regal und legt sich zur Ruhe. Wenig später erreicht er das Schloss des Grafen und bemerkt hier bald einige Merkwürdigkeiten, scheint dieser doch dem opulenten Mahle zu Tisch wenig zuzusprechen. Des Nächtens wird Hutter dann im Schlafgemach vom Graf Orlok besucht. Eine fantastische Szene, in der Max Schreck in all seiner Größe und Dürre den personifizierten Todesboten ganz wunderbar mimt. In eben diesen Gemächern entdeckt Orlok das von Hutter mit auf die Reise getragene Bild der schönen Ellen – und verfällt ihr unwillkürlich.

Hutter der merkt, dass der Graf nicht ganz geheuer ist – spätestens erkennbar als dieser einen Haufen Särge auf einen Anhänger läd und sich selbst in den obersten hineinlegt – macht sich auf die Flucht, zurück nach Wisborg. Orlok indess tritt ebenfalls die Reise in das beschauliche Städtchen an. Er hinterlässt eine Spur aus blutleeren Körpern, die von der nichts ahnenden Bevölkerung als Pestepedimie gedeutet wird.

Mondscheinkino
Vor Beginn der Aufführung bietet die Aussicht auf das Hermannsdenkmal beim Mondscheinkino einen fantastischen Hintergrund.

Nach der Heimkehr Hutters entdeckt bald Ellen das besagte Buch, das Informationen über den Grafen des Schattens enthält. Obwohl sie dazu angehalten ist, sich von diesem Werk fernzuhalten, liest sie darin und entdeckt bald die einzige Hoffnung. Denn kurz nachdem ihr Geliebter es zurück nach Wisborg geschafft hat, erreicht auch Nosferatu den kleinen Ort und bezieht die ihm vermittelte Immobilie gegenüber der Hutterschen Residenz. Die Totengräber haben reichlich zu tun in dieser Zeit und Ellen sieht vor ihrem Fenster wie laufend Särge aus allen Häusern getragen werden. Sie findet in dem Buch die einzige Rettung: Eine Dame unschuldigen Blutes soll sich Nosferatu freiwillig hingeben, so dass dieser den ersten Hahnenschrei am Morgen verpasst und im Sonnenlicht zu Asche zerfällt.

Ellen, von griechisch Helene = die Schöne

Diese tragisch-schaurige Geschichte basiert auf Bram Stokers Dracula. Da es damals Rechtsstreitigkeiten gab, musste ein neuer Name gefunden werden. So wurde aus der holden Mina die schöne Ellen, Jonathan Harker wird Thomas Hutter und Graf Dracula ist Graf Orlok oder eben Nosferatu (wobei letzterer auch ein Überbegriff für Vampir zu sein scheint).

Diesen einflussreichen Klassiker in der mystischen Atmosphäre der Waldbühne am Hermannsdenkmal zu erleben, hatte schon einen ganz besondere Charme. Wir pilgerten zu dritt gegen 20.30 Uhr zum Eingang. Die Karten hatte ich zuvor online gekauft und gedruckt – wäre allerdings nicht nötig gewesen. Der Onlinekauf kostet einen Euro Serviceaufschlag und an der eigentlich Kasse gab es am Abend gar keine Schlange. Das Geld hätte man sich sparen können – aber ich bin ja immer gerne gut vorbereitet. Bewaffnet mit Sitzkissen (ein absolutes Muss, wenn man einen Abend an der Waldbühne plant), Keksen und einer Flasche Rosé konnten wir uns in der noch recht leeren Tribüne Plätze weit oben, mittig vor der Leinwand sichern.

From Dusk till Dawn

Angekündigt war ein Beginn der Veranstaltung „bei Einbruch der Dunkelheit“. Da ich diese Aussage etwas schwammig fand, habe ich im Vorfeld noch einmal auf der Facebookseite der Veranstalter nachgefragt. Gegen 21.30 Uhr sei Beginn hieß es dort. Gut, dachte ich mir. Das wäre ein Filmende gegen 23 Uhr und für einen solchen Abend unter der Woche zeitlich noch im Rahmen. Der Pianist, der sich irgendwann dazu berufen fand, das unruhiger werdende Publikum zu besänftigen, hatte dann die Erkenntnis: „Scheinbar wird es hier in Detmold später als im Rest von Deutschland, wir haben uns etwas verschätzt.“. Das kleine Überbrückungsprogramm, bestehend aus einem Ostfriesenwitz und Klaviermusik, war zwar nicht sonderlich komisch aber Graf von Bothmer wirkte so ehrlich sympathisch, das man es ihm nicht übel nehmen konnte. Los ging es dann tatsächlich erst um kurz nach 10. Unser Rosé war bis dahin leider schon leer (man lerne: eine Flasche Wein reicht nicht für einen solchen Abend!). Es gab aber im Eingangsbereich Stände mit allerlei Verpflegung. Bratwurst und Popcorn für den kleinen Hunger, Getränke aller Art zu halbwegs brauchbaren Preisen. Für unsere zwei Fläschchen Scavy&Ray Hugo habe ich 8 Euro hingelegt, da kann man mit Leben.

Fun-Fact: Der Regisseur, Friedrich Wilhelm Murnau, war übrigens gebürtiger Bielefelder. Wir Ostwestfalen haben’s halt raus. Übrigens wurde kurz vor der von mir besuchten Nosferatu- Inszenierung das Grab Murnaus geschändet. Sein Schädel wurde dabei entwendet. Uns wurde vor Beginn der Aufführung jedoch versichert, dass besagter Schädel sich derzeit nicht am Waldbühnen-Gelände aufhielte.

Mein Highlight des Abends war im Übrigen eines, das die Veranstalter sicherlich nicht mit eingeplant hatten: Vor der Leinwand schwirrten den ganzen Film über Fledermäuse entlang. Was gäbe es passenderes für einen Vampirfilm. Herrlich!

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann sich hier den ganzen Film anschauen.

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