Zwischen Himmel und Hades: Kaliméra Santorini!

Die Pyramiden entdecken, Wasserfälle suchen oder am Strand spazieren – Hauptsache weg, Hauptsache nicht hier sein. kaum etwas plagt mich in den vergangenen Wochen mehr als das Fernweh. Aber immerhin: Wer eine lebhafte Fantasie hat, kann von Erinnerungen zehren, oder sich in andere Welten und zauberhafte Orte hineinlesen. Daher gibt’s an dieser Stelle einen Recap an meine Woche im Paradies, die ich mir im November gegönnt habe.

Die Heilige in der Ägäis

Auf Santorini fühlt man sich dem Paradies so nah, wie an vielleicht keinem anderen Ort der Welt. Alleine die Vorstellung davon, wie vor 3000 Jahren ein wild brodelnder Vulkan dort eine Welt gezeichnet hat, die heute vor Leben nur so brummt, ist geradezu erschlagend. Dichte Nebelbänke tauchen die Inseln, die einst ein großes Ganzes ergeben haben am Abend in eine mystische Atmosphäre, der Sonnenuntergang zieht wie durch Magie die Blicke auf sich und von irgendwo dudelt immer wieder Jeff Buckleys „Hallelujah“. Ja, Santorini ist zum Verlieben.

Das sehen leider auch allzu viele angehende Ehepaare so und nutzen die Insel für ihre Feiern, Honeymoons und als Fotokulisse. Dabei gibt es immer wieder kuriose Anblicke: Halbnackte eingeölte Models turnen ohne Absicherung auf den berüchtigten Rundkuppeln der Häuser, die in die Caldera, den Kraterhang, in den touristenumschwärmten Städten Fíra und Oìa gebaut wurden. Ein Fotograf liegt oder hockt mit sicherem Abstand vor ihnen und versucht, den perfekten Moment zu erhaschen. So viel Risiko für das eine Instagramfoto.

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Für Fotos bietet die Insel allerdings so oder so grandiose Motive. Selbst ein eher risikoscheuer Mensch wie ich traut sich da schon einmal die knapp 250 Höhenmeter auf ungesicherten Stufen hinab in den alten Hafen für ein Bild mit blauem Meer und auf schmalen Pfaden entlang brüchiger Felsen, um den einen Blick auf den roten Strand zu erhaschen. All diese kleinen Abenteuer haben mein erstes Mal alleine in der großen, weiten Welt zu einem fantastischen Ereignis gemacht. Eines, das ich weder missen noch vergessen will.

„Here on Santorini black marries white,
the sea is as dark as Hades
and the sky is azure.
The soul is split, seeking the light
while its feet tread in darkness,
and it sends aloft its praise and its prayer.“
(Yannis Sfakianakis)

 

Fírà, das pulsierende Zentrum

Direkt am Rande der Welt gelegen ist Fírà. Das einst malerische Fischerdorf liegt an der Caldera, der Kraterwand. Im alten Hafen boomt der Kreuzfahrttourismus. Bis zu 8000 Menschen dürfen dort täglich anlegen. Bei meinem Trip im Oktober 2019 beobachte ich an einigen Tagen gleich fünf große Schiffe auf einmal, die vor der Küste halt machen und in kleinen Booten ihre Passagiere zur Insel bringen. Dort erwartet die Neureichen, Rentner und sonstigen Kreuzfahrttouristen jedoch eine Überraschung: der Weg nach oben ist schwer. Doch dazu später mehr.

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Fírà besticht mit seiner alten Architektur.  Entlegen findet man noch die alten Häuser, die sich Fischer einst in die Kraterwände gebaut haben. Heute gedeihen dort Szene-Hotels, die mit dem Auto nicht zu erreichen sind. Stattdessen sieht man junge Männer, die als Pagen das Gepäck der Touristen die beschwerlichen Wege entlang schleppen. Denn hier ist alles voller Stufen. Ein Umstand, der mir noch zum Verhängnis werden soll. Aber trotz des vielen Tourismus hat die Hauptstadt einen besonderen Zauber. Zwischen die vielen Haute-Couture-Geschäfte mogeln sich kleine Läden, die lokale Metzgereiwaren anbieten, T-Shirt-Druckereien und Craft-Beer-Shops. Gleich drei Museen sind hier außerdem gelegen, die die Geschichte der Insel erzählen.

Von Fírà aus kann man prima den Rest der Insel entdecken, denn hier liegt der zentrale Busbahnhof. Und das i-Tüpfelchen ist der Ausblick. Auch wenn das Hotel Atlantik mich mit seinem Jugendherbergscharme nur mäßig überzeugt, sind diese Balkone unglaublich. Als erstes Hotel, das am Kraterrand in den 50ern gebaut wurde, hat das Atlantik sich den Top-Spot gesichert. So kann man abends mit einem Glas Wein entspannt auf dem Hotelbalkon den Ausblick genießen, bevor es direkt vor der Tür in die Passage zu zahlreichen Restaurants und Bars geht, und im Morgengrauen beobachten, wie die Ägäis hinter den Wolken auftaucht.

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578 Stufen…

…geht es hinab bis in den alten Hafen Skála. Geübte Läufer schaffen dies sicherlich recht zügig, ich lasse mir gute 90 Minuten Zeit und halte zwischendurch inne, um die Maultiere zu begrüßen und die Aussicht zu genießen. Wer es nach unten geschafft hat, wird mit dem Gang durch eine kleine Einkaufspassage und zwei netten Restaurants belohnt. Das Essen ist hier allerdings eher touristische Massenabfertigung — dennoch gibt’s die Gelegenheit inseltypische Spezialitäten zu probieren.

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Als ich die Seilbahn aus den 80ern, die die 225 Höhenmeter regelmäßig abfährt, zum ersten Mal sehe, mache ich mir eine gedankliche Notiz: auf keinen Fall fahre ich mit dieser klapprigen Achterbahn. Diese Einstellung hält aber nicht lange vor, denn mir geht es wie den vielen Tagestouristen, die per Schiff anreisen: die Alternativen bestehen darin, den ganzen Weg zu Fuß hochzulaufen, oder auf einem Esel zu reiten. Letztendlich zahle ich die 5 Euro und brauche ganze zwei Minuten für den Weg nach oben! Alles halb so wild…

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Hart am Limit

Der Tourismus hat Santorini in einen ungeahnten Wohlstand geführt. Erst seit den 1960ern gibt es auf der Insel eine umfassende Stromversorgung, das Kanalsystem stellt nach wie vor ein Problem dar – sämtliche Rohre sind extrem dünn gebaut, weshalb es strickt verboten ist, jegliches Papier in den Umlauf zu bringen. Harte Nuss für Touristen. Doch die Touristen sind es auch, die Santorini Probleme machen. Die Müllberge, die hinterlassen werden, können auf der Insel nicht vernünftig abgebaut werden. Die Unmengen an Abfall werden in ehemalige Bimssteinbrüche geschüttet, Schicht für Schicht. Wohnen in den großen Städten ist für Eingeborene unmöglich, das wiederum macht es Restaurant- und Hotelbesitzern schwer, Personal zu finden.

img_20191022_130223096Denn obwohl mittlerweile auch Besucher im Herbst und Frühling kommen., bleibt es in der zweiten Jahreshälfte ruhig auf Santorini. Ganz im Gegenteil zum Sommer. Auf die gerade einmal 17.500 Einwohner kommen im Jahr rund 2,5 Millionen Touristen, die meisten in der Hauptsaison. Deswegen hat der Bürgermeister 2016 zumindest die Kreuzfahrtgäste gedeckelt. Maximal 8000 dürfen täglich an Land.

Karte

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