Zwischen Himmel und Hades (3): Kalí órexi Santorini!

Ein Hoch aufs Fernweh! Kommt mit mir auf die Reise zu dem vielleicht paradiesistschen Ort der Welt: Santorini. In den ersten beiden Teilen haben wir uns bereits im pulsierenden Zentrum Fíràund in den Nord- und Südzipfeln der Insel umgeschaut. Heute geht es auf kulinarischen Spuren über die griechische Insel.

4 Stunden, 3 Stopps, 9 Weine

Santorini hat landwirtschaftlich nur wenig florierende Standbeine. Die Inselerde und das trockene Klima machen es den Bauern schwer, ihr Gemüse gedeihen zu lassen. Berüchtigt sind die Tomaten von der Insel, die eine enorme Süße durch die vielen Sonnenstunden entwickeln, ebenso wie die Kapern, die einen ganz eigenen Geschmack haben. Das aber wohl größte Export-Gut ist der Wein. Überall auf Santorini sieht man die weitreichenden Weinfelder, die man als solche allerdings erst einmal erkennen muss.

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Denn die Reben wachsen hier nicht in die Höhe, sondern werden in Spiralen am Boden eingedreht. So wächst das Blätterdach darüber zusammen und schützt die Trauben vor kleinen Steinchen und Vulkanasche, die durch den starken Wind aufgewirbelt werden. In der Cavana Roussos, dem ältesten Weinvertrieb der Insel, probiere ich meinen ersten authentischen Inselwein. Urteil: gewöhnungsbedürftig.

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Das Besondere der Weine auf Santorini ist die hohe Säure, die durch die Mineralerde in den Früchten aufgenommen wird. Der Großteil der gesamten Weinproduktion ist Weißwein, die beliebteste Traube heißt Asyrtiko. Diese Rebsorte ist historisch, fast unverändert und hat als eine der wenigen weltweit aufgrund der Abgeschiedenheit der Insel eine Blattlausplage unbeschadet überwunden, weshalb Inselbewohner erzählen, dass sie einen historischen Wert habe.

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Die pflanzenschützenden Körbchen, die auch „ambelies“ (kleine Reben) genannt werden, werden während des ersten Zurückschneidens geformt. Die Technik sorgt dafür, dass die Pflanzen die „melternia“, die nördlichen Winde, für sich nutzen können.

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Probe im Sonnenuntergang

Meine geführte Weintour ist das einzige touristische Unternehmen, das ich auf meiner Liste habe. In einem kleinen Minivan geht es mit zwölf anderen Teilnehmern – beinahe ausschließlich Pärchen – auf die vier Stunden lange Tour. Drei Weingüter stehen auf dem Plan. Neben der Cavana Roussos geht es ins Weinmuseum und zum Abschluss in die alte Vinsanto-Winery, die heute nur noch als Verkostungsraum eine Rolle spielt.
So wirklich überzeugt sind wir von den Weinen alle nicht. Bei mir kann lediglich der Dessertwein punkten. Die Trauben werden dazu in der Sonne auf den Feldern angetrocknet, bis sie fast wie Rosinen sind, und bekommen dadurch eine Karamellnote.

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Santorini ist nicht nur für seine Weine bekannt, längst schon versuchen auch Bierbrauer auf der Insel an den Markt zu kommen. Das Craftbeer Crazy Donkey gibt es in fast jedem Lokal zu relativ stolzen Preisen zu bestellen – ist aber geschmacklich leider nichts besonderes. Deutlich spannender ist da das Volcan, das beim Brauen zusätzlich mit Zitronen- und Kräuternoten versehen wird. Das gibt es zum Beispiel in der Taverne Delfino an der Südküste. Das Lokal angelt übrigens seinen Fisch selbst.

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Einer geht noch

Was für ein Glück, dass direkt neben dem Hotel Atlantik das Restaurant Naoussa liegt. Die Besitzer kommen aus Mazedonien, kochen aber eher klassisch griechische Gerichte. Das Personal ist super nett – Kellner Vassili sorgt immer dafür, dass mein Weinglas nie leer ist und bezahlen darf ich den Wein nur selten. Von der Terasse des Naoussas hat man im übrigen einen fantastischen Blick auf die abendliche Caldera. Zumindest, wenn der Windschutz nicht im Weg ist.

Was man auf dieser Karte – und fast allen anderen Restaurant-Speisekarten – nicht findet, ist Gyros. Die griechische Küche hier besteht aus vielen Schmorgerichten, wie etwa Hähnchenkeulen, die in Zitronensoße und Olivenöl gebraten werden, dazu kommen Kartoffeln mit Gemüse. Auch die Souvlaki, marinierte Fleischspieße, erinnern mehr an das, was bei uns als Schaschlik bekannt ist, denn die Imbiss-Spieße, die es in Deutschland beim Griechen gibt. Das Fleisch ist in große Würfel geschnitten, abwechselnd mit Zwiebel und Paprika gespießt und auf Holzkohle gegrillt. Und echt lecker.

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Mein Highlight: die Auberginenmousse (Melitzanosalata), die es überall auf Santorini zu essen gibt. Gegrillte Früchte, gemixt mit Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Knoblauch und Petersilie – ganz einfach, aber wahnsinnig gut. Dazu warmes Pita-Brot und ein bisschen gebackener Feta und die Welt ist in Ordnung.

Stärkung in der prallen Sonne

Wie schon erwähnt ist Santorini berühnmt für seine sehr süßen und fruchtigen Tomaten. Kein Wunder also, dass sie als Hauptzutat für eine der inseltypischen Delikatessen dienen: Tomatenkeftedes. Der Teig für die Kroketten besteht aus sehr reifen, entkernten Tomaten, reichlich Kräutern (Dill!), etwas Zitronensaft und Mehl. Sie werden dann anschließend in Fett ausgebacken.

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Das Ergebnis ist ziemlich mächtig und die Portion, die ich mich zum Mittag zusammen mit einem griechischen Alpha-Bier im Hafen bestelle, schaffe ich nicht einmal annähernd.

 

Nach alter Tradition

Frischeren Fisch als im Hafen von Oía kann man eigentlich gar nicht bekommen. Im Restaurant bei Katina, die als Chefin am Eingang wacht und für ihre Gäste auch mal schnell ein Taxi organisiert, kann man sich auch gleich anschauen, was es denn geben soll. Die Auslage der Meerestiere ist riesig – ob aber wirklich alles in den heimischen Gewässern gefangen wurde, ist fraglich.

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Ich gönne mir einen gegrillten Oktopusarm in Olivenöl, dazu natürlich hausgebackenes Brot und ein kaltes Mythos-Bier und genieße den Ausblick auf das Meer, auf dem gerade mehrere Fischerbote den Hafen verlassen. Katina spricht zwar kein Wort englisch, aber ein Foto hat sie mich dennoch von ihr knipsen lassen.

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Ein letztes Mahl

Einen kleinen Kulturschock bekomme ich gleich am ersten Abend. Beim Spaziergang durch den Ort werde ich fast magisch von dem kleinen Restaurant, das einige Stufen über der Caldera in einer Seitenstraße bei einer Einkaufspassage liegt angezogen. Von hier aus hat man keinen Blick auf die Vulkanwand – weshalb viele der Touristen daran vorbeilaufen. Aber die Ouzeri hat ihren ganz eigenen Charme.

Der Name, erklärt mir die Besitzerin Jordana, kommt daher, dass man Ouzo in Griechenland eigentlich nur Mezze trinken würde, den kleinen Tapas-ähnlichen Gerichten. Von denen gibt’s auch reichlich auf der Speisekarte. Mein kulinarisches Highlight allerdings: Giuvetsi. Das Gericht ist ein Auflauf aus Rind oder Lamm, das in einer mit Zimt gewürzten Tomatensoße geschmort wird. Anschließend werden rohe Kritharaki-Nudeln eingerührt und das ganze im Ofen gebacken. Die letzten 20 Minuten kommt Käse drüber.

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Die Ouzeri ist leider auch der letzte abenteuerliche Stop meiner Reise gewesen. Nach einem gemütlichen Essen und möglicherweise ein oder zwei Gläsern Wein habe ich im Lokal eine einzelne Stufe übersehen – und bin umgeknickt. Kellner Jorges hat mich noch ins Hotel zurückgebracht und Eis besorgt, da waren Hopfen und Malz aber quasi schon verloren – und vor allem zwei Bänder gerissen.

 

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