Urlaubsgefühle: Paella Mixta

Entgegen aller Erwartungen strahlt hier den ganzen Tag die Sonne. Auch wenn der Mann im Radio das Gegenteil behauptet. Ein schöner Marktspaziergang heute Vormittag und ein ausgedehntes Herumlungern in der Stadt haben mich letztendlich inspirieren können, ein Stück Urlaub nach Hause zu holen. Und das geht am besten mit einem guten Essen.

Paella kommt ursprünglich aus Valencia. Dort war ich noch nicht, daher kann ich mich auch nicht am Original orientieren. Ich kenne sie von meinen Teneriffa-Urlauben. Serviert in der typischen Paella-Pfanne auf einem Beistelltisch, der Kellner trägt auf und achtet darauf, dass jeder von allen Bereichen des Reisgerichts etwas kriegt. Die sind nämlich recht speziell.

Eine gute Paella ist kein Risotto. Sie wird nicht gerührt! Das hat zur Folge, dass der Reis etwas ansetzt. Dabei entsteht am Pfannenboden eine Schicht mit angebräuntem Reis – socarrat genannt. Diese gilt zu Recht als Delikatesse. Es gibt diverse Rezepte für Paella und Glaubensfragen, wenn es darum geht, den richtigen Reis zu wählen. Ich werde euch an dieser Stelle das Rezept so präsentieren, wie es bei mir auf den Tisch kam. Es sei aber bereits vorweg angemerkt, dass hier viel anpassbar ist. Die Menge an Fleisch/Fisch ist variabel, auch die Sorten die ich ausgesucht habe, können geändert werden. Schweinefleisch und Kaninchen finden sich sehr häufig in fleischlastigen Paellas. In der fischigen Variante wären Tintenfisch und Miesmuscheln noch ganz wunderbar.

Auch wenn die Valencianer sie gerne als Touristen-Gericht beschimpfen, esse ich sie so wahnsinnig gern. Heute gibt’s:

Paella Mixta

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Für 4 Portionen

  • 250g Paella-Reis (ich habe Rundkornreis genommen. Viele Rezepte schreiben, man solle Langkornreis nehmen. Traditionell nimmt man Arroz Bomba)
  • Eine Hähnchenbrust, ohne Knochen und HautIMG_20160528_173146
  • 12 Gambas
  • 8 Kammmuscheln
  • 500ml Gemüsebrühe
  • 1 kleine Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • etwa 125g Erbsen
  • eine halbe rote Paprika
  • 4 EL gehackte Tomaten (frisch oder aus der Dose)
  • 1 unbehandelte Zitrone
  • 2 Prisen Safranfäden
  • grobes Meersalz
  • Pfeffer
  • Olivenöl
  • Eine Prise Thymian und Rosmarin
  • Ein Schuss trockener Weißwein
  • etwas gehackte Petersilie

 

Die Zubereitung nimmt insgesamt nicht mehr als eine Stunde Zeit in Anspruch. Und macht auch nur eine Pfanne dreckig. Wenn das nicht ein absolutes Top-Argument für Paella ist, weiß ich es auch nicht. So geht’s los:

Eine möglichst breite, schwere Pfanne auf hoher Hitze aufsetzen. Wer eine hat, kann natürlich dafür eine Paellera verwenden. Eine ganz normale Pfanne tut es aber auch. Etwa einen Teelöffel Meersalz in die Pfanne geben. Einen guten Schuss Olivenöl dazugeben. Das Huhn mundgerecht würfeln und sehr scharf anbraten. Währenddessen Zwiebel, Knoblauch und Paprika fein würfeln. Das Huhn aus der Pfanne nehmen und kurz zur Seite stellen. Nun in der selben Pfanne (nicht ausspülen!) das Gemüse anbraten, die Temperatur auf mittlere Hitze senken und eventuell noch einen Schuss Olivenöl dazu geben. Wenn die Zwiebeln schön glasig sind, das Huhn wieder in die Pfanne geben. Die gehackten Tomaten unterrühren und für ein paar Sekunden reduzieren lassen. Die Erbsen unterrühren und die Mischung an den Pfannenrand schieben. In der Pfannenmitte den Reis verteilen und etwas anbraten lassen. Mit dem Gemüse verrühren und kurz brutzeln lassen, dann mit Weißwein ablöschen. Safran, Thymian und Rosmarin dazu geben und alles mit Pfeffer würzen. Die komplette heiße Brühe dazu geben, einmal kräftig umrühren und jetzt heißt es warten. Auf mittlerer Hitze etwa 20 Minuten offen köcheln lassen (nicht mehr umrühren!).

Die Gambas und das Muschelfleisch auf der Paella verteilen und pfeffern, die Pfanne abdecken und die Meeresfrüchte für etwa 10 Minuten garen lassen. Dann die Hitze noch einmal voll aufdrehen und für 2-3 Minuten brutzeln lassen. Das hilft, die socarrat zu erzeugen.

Die Zitrone in Schnitze schneiden und zwischen den Gambas in die Paella drücken. Pfanne von der Hitze nehmen und kurz ruhen lassen. Servieren und darauf achten, dass alle Gäste etwas von der köstlichen Reiskruste abbekommen 😉

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Spargel dreierlei: Römisch, früh und siciliano

Sie ist wieder da, meine liebste Jahreszeit: Die Spargelzeit hält nun in allen Teilen Deutschlands Einzug. Noch bis zum Johannistag, dem 24. Juni, wird gestochen. In der Vergangenheit habe ich ja Stein und Bein auf die Zubereitung im Alumantel geschworen, nun möchte ich drei weitere fantastische Rezepte präsentieren.

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I. Im Römer.

Spargel aus dem Römertopf ist so unkompliziert, wie nur eben möglich. Das Gemüse wird dazu einfach nur geschält, der Topf (und Deckel!) etwa 15 Minuten gewässert. Ohne zusätzliche Flüssigkeit kommt der Spargel in den Topf, dazu ein Stich Butter, etwas Salz, eine Prise Zucker und ein Pfützchen Zitronensaft. Kurz mit den Händen durchmengen, Deckel drauf und in den kalten Ofen stellen. Diesen nun auf 180°C Ober-/Unterhitze anschalten und nach etwa 45 Minuten ist der Spargel im eigenen Saft gegart und mit herrlicher Butternote versehen. Der Vorteil: Auch größere Mengen (getestet mit einem Kilo) lassen sich auf einen Rutsch gleichmäßig zubereiten. Der Nachteil: Es dauert etwas länger als die herkömmliche Garung in kochendem Wasser. Dafür bleiben Geschmack und Inhaltsstoffe besser erhalten.

II. Zum Frühstück

Mein Lieblingswochenendfrühstück ist im Moment Omelett. Dabei kommt in der Regel immer mit rein, was ich im Kühlschrank so finde. Das ist nicht selten grüner Spargel. Göttlich und einfach: 3 – 4 Stangen grünen Spargel in mundgerechte Stücke schneiden (muss nicht geschält werden!); das holzige Ende wegschmeißen. Kurz in etwas Butter anbraten und auf einem Teller zwischenparken. Zwei Eier mit einem kleinen Schuss Milch oder Sahne und etwas Salz und Pfeffer verquirlen und in die Pfanne geben. Bei mittlerer Hitze stocken lassen. Kurz bevor das Ei gar ist, eine Scheibe Käse und das Gemüse auf eine Hälfte des Omelettes geben, die andere Hälfte darüber klappen und noch etwa 30 Sekunden garen lassen. Anrichten und sich freuen. Die Art Omelett ist wahnsinnig wandlungsfähig. Manchmal kommen bei mir Tomaten zu, statt Spargel nehme ich auch gerne Avocado (die ich nicht vorher anbrate). Auch Bacon oder Schinken passen prima.

III. Sizilianisch

Und hier ist er nun, der Star, das Highlight, das beste Spargelrezept, das mir in den letztenIMG_20160516_193453410 Jahren untergekommen ist. Und dabei ist es nicht aus den deutschen Gefilden, wobei sich ja gerade hier damit  gerühmt wird, Spargelheimat zu sein. Nein, es stammt von meiner amerikanisch-sizilianischen Schwägerin Bianca. Der Spargel wird im Ofen gegart, erhält eine leichte Bitterkeit vom Bräunen, die aber zugleich von der Süße des Honigs und der Salzigkeit des Parmesans aufgefangen wird. Fantastisch. Das Rezept habe ich bislang nur mit grünem Spargel getestet! Ich vemute, dass es mit weißem nicht ganz so gut funktionieren würde.

Die Enden der Spargelstangen abbrechen und das Gemüse in eine Auflaufform geben. Etwa einen Teelöffel Honig darüber träufeln, mit grobem Meersalz bestreuen und etwas Olivenöl darübergeben. Etwa eine handvoll frisch geriebenen Parmesan darüber streuen und alles für gute 15 Minuten bei 200°C Ober-/Unterhitze backen. Nach der Hälfte Zeit  einmal durchrühren, damit sich alles gut verteilt.

Der grüne Spargel wird so zur großartigen Beilage, schmeckt aber auch kalt (weshalb bei mir nie ein Rest für den nächsten Tag überbleibt) 😉

 

 

Sweet ’n‘ Spicy Cornbread Muffins

So. Ein zweiter Versuch. Nachdem ich just die tolle WordPress-App für Android ausprobiert und einen ganzen Beitrag mit der Spracheingabe gebloggt habe, der dann komplett leer auf der Website erschienen ist (grrrr), gehe ich jetzt doch zur konventionelleren Methode über.

Wie bereits auf meiner Facebookseite angekündigt, habe ich nun die fantastischen Cornbread Muffins aus dem Damn Delicious-Blog nachgekocht. Im Vergleich zum Originalrezept habe ich allerdings die Zuckermenge deutlich verringert und stattdessen ein wenig Mais dazugegeben. Die kleinen scharfen Küchlein gibt’s morgen als Snack oder Beilage zum Brisket, das im Smoker gegart wird.

Sweet ’n‘ Spicy Cornbread Muffins

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Das braucht ihr für 12 Muffins

  • 125g Weizenmehl
  • 125g Maismehl
  • 1/2 TL Salz
  • 1/2 Backpulver (bzw. das amerikanische Baking Soda)
  • 250ml Buttermilch
  • 60g Butter
  • 50g Zucker
  • 1 TL Honig
  • 2 Eier
  • 1/2 Jalapeno für den Teig und ggf. eine für die Deko
  • 50g Cheddar

Mehl, Salz und Backpulver in einer großen Schüssel vermischen. Währenddessen die Butter schmelzen und mit der Buttermilch, den Eiern, dem Zucker und dem Honig verschlagen. In die Mehlmischung eine Mulde machen und die Flüssigkeit langsam hereinlaufen lassen.    Dabei cornbread4umrühren und nach und nach etwas mehr Mehl einrühren. Das Originalrezept sieht vor, dies nur mit einem Teigschaber/Holzlöffel zu machen und ich habe mich auch daran gehalten. Mit einem Mixer könnte der Teig zu schnell überarbeitet werden, das heißt, dass das Mehl aufbricht und sich anders verhält.

Zum Schluss die Jalapeno fein hacken und zusammen mit dem Käse vorsichtig unterrühren. Wer’s machen möchte wie ich, gibt noch etwa 2 EL Mais dazu.

Den Teig in ein (ggf. leicht geöltes) Muffinblech geben, eventuell je ecornbread3inen feinen Jalapeno-Ring zur Deko darauf legen und bei 190°C Ober-/Unterhitze für 15 – 20 Minuten backen. Die Muffins sollten gold-gelb sein. Wer mag kann vor dem Servieren etwas Honig darüber träufeln – ich lasse diesen Schritt weg, da mir persönlich das zu süß werden würde.

Das war’s auch schon. Jetzt heißt es für mich abwarten bis morgen und mal gucken, cornbreadwas die anderen davon halten. Im Kühlschrank schlummert als weitere Beilage noch ein viel zu großer Berg roter Coleslaw und eine Etage tiefer wartet meine Salted Caramel Icecream auf ihren Auftritt. Das kann nur ein fantastischer Abend werden!

Seemannsfutter: Cozze alla marinara

Heute ist „Talk like a pirate day„. Dies habe ich mir zum Motto gemacht und nach Seemannsart gekocht. Es gab Muscheln! Kürzlich habe ich mich ja bereits mit Felsenaustern auseinandergesetzt, heute gab es Miesmuscheln.

Muscheln haben Saison in den Monaten die auf R enden. Also zwischen SeptembeR und FebruaR. Hier in Nord-West-Deutschland bekommt man auch außerhalb der Saison Muscheln, dann aber zumeist als TK-Ware. In der Regel bekommt man Miesmuscheln, die hier gängigste Sorte, eingeschweißt in 1-Kilo-Paketen.

Cozze alla marinara - Miesmuscheln in Sud

Muscheln sollten lebendig sein, wenn man sie kauft. Darauf muss man auch als erstes achten, wenn man sie kochfertig macht. Jetzt erstmal schnell der Einkaufszettel.

Muscheln für zwei:

  • 1 Kilo Miesmuscheln
  • 1 Möhre
  • 1 kleines Stück Sellerie
  • 1/2 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • etwas Salz
  • 1/2 Glas Weißwein
  • ein wenig Zitronenabrieb
  • Ggf. Kräuter nach Wahl
  • Etwa 1 EL Butter und etwas Öl

Los geht’s mit der Vorbereitung der Muscheln. Diese aus der Packung befreien und unter fließendem Wasser (so mach ich es zumindest) mit einer Gemüsebürste kräftig abschrubben sowie den kleinen „Bart“ entfernen. Die Muscheln sind lebendig und noch gut, wenn sie fest verschlossen sind. Ist eine Muschel ein bisschen geöffnet, gibt es einen Test. Kräftig anklopfen. Wenn der Bewohner noch lebendig ist, schließt sich die Muschel wieder. Bleibt sie offen, bitte gleich entsorgen.

Das Gemüse in Julienne (also feine Streifen) schneiden, die Knoblauchzehe schälen und einfach mit der flachen Seite des Messers kräftig anschlagen. Nun die Butter mit einem kleinen Schuss Öl in einem Topf zum schmelzen bringen und wenn sie leicht schäumt erst die Zwiebel glasig braten, dann den Knoblauch dazu geben. Wenn die Zwiebel leicht bräunt, das restliche Gemüse dazugeben, leicht salzen und kurz brutzeln lassen. Mit dem Wein ablöschen, kräftig aufkochen lassen und die Muscheln auf einmal dazugeben. Gleich den Deckel aufsetzen, kräftig am Topf rütteln und etwa 5 Minuten kochen lassen. Die Muscheln öffnen sich, sobald sie gar sind. In tiefen Tellern servieren. Dazu passt Knoblauchbaguette, Brot, Pommes, Aioli, was auch immer das Herz begehrt 😉

Diese Zubereitungsart nennt man hier übriges auch „Muscheln rheinische Art“. Die tatsächliche Seemannsart hieße, zusätzlich zum Wein den gleichen Teil an Wasser dazuzugeben und die Kochflüssigkeit nach dem Garen mit Mehl abzubinden. So wird das Ganze eher zu einer Muschelsuppe.

Kürbis/Kruste/Crème: Kleines Herbst-Menü

Am vergangenen Wochenende stand mir, nach dem Besuch der ersten Detmolder Bierbörse am Freitag, Samstag wenig der Sinn nach Ausgehen. Die Verköstigung diverser Biersorten hinterließ ihre Spuren.  Nach diversen Tassen Kaffee konnte ich mich aber doch noch motivieren zumindest zu Einkaufs-Zwecken das Haus zu verlassen. Kurzerhand habe ich ein paar Freunde eingeladen und mir ein kleines Herbst-Menü aus dem Ärmel geschüttelt. Kochen entspannt mich und vertreibt den Kater.

Es gab zunächst eine Kürbiscrémesuppe mit Orange

Kürbissuppe
Schnellrezept: Eine Zwiebel in etwas Öl glasig braten, den Kürbis (hier: ein halber Butternut, geschält und gewürfelt) kurz mitdünsten, mit einem Schuss O-Saft ablöschen, Brühe aufgießen, so dass das Gemüse gut bedeckt ist. Deckel drauf, ca. 30 Minuten köcheln lassen, pürieren und mit Salz, Pfeffer, Muskat und etwas Sahne abschmecken. Zur Deko geröstete Kürbiskerne darüber geben

Den Hauptgang machte ein leckerer Krustenbraten in Schwarzbier-Soße (hier geht’s zum Rezept!) mit Spitzkohl-Gemüse und selbst gemachten Semmelnknödeln

Krustenbraten
Schnellrezept für Semmelknödel:
250g Brötchen (am besten schon ein paar Tage alt) in Würfel schneiden. Eine halbe Zwiebel fein würfeln und in etwas Butter glasig dünsten. Zu den Brötchenwürfeln geben. 250ml Milch mit 2 Eiern und einem Bund fein gehackter Petersilie verschlagen. Mit Salz und Pfeffer würzen und die Mischung über die Brötchen geben. Alles etwa 15 Minuten einweichen lassen, zwischendurch umrühren. Die Brötchenmasse auf halbieren und auf zwei Streifen Frischhaltefolie geben, zu einer „Wurst“ formen und fest in die Folie einrollen. Anschließend in Alufolie einrollen und bis zum Kochen kalt legen. Zum Schluss für 20 Minuten in siedendem Wasser gar ziehen lassen.

Den Abschluss des Menüs machte eine wunderbare Crème Brulée, für die ich mir auch endlich einen Bunsenbrenner angeschafft habe.

Créme Brulée
Schnellrezept (reicht für 4-6 Portionen): 5 Eigelb mit 400ml Sahne, 140ml Milch, dem Mark einer Vanilleschote, ein bisschen Zitronenabrieb, einer Prise Salz und 80g Zucker verschlagen und etwa 30 Minuten kalt stellen. Anschließend in Förmchen (zur Not: Kaffeetassen) geben und im Wasserbad (z.B. in einer großen Auflaufform oder einem tiefen Backblech) bei 150°C Ober-/Unterhitze für knapp eine Stunde lang stocken lassen. Danach gut auskühlen, auf jeder Portion einen Esslöffel Zucker verteilen und den Zucker mit einem Bunsenbrenner karamellisieren. Wer keinen Brenner hat, kann versuchen die Crème mit der Grillfunktion es Backofens fertig zu stellen – hier ist es aber sehr schwierig den richtigen Moment abzupassen. Alternativ kann man Zucker in einem Topf schmelzen und flott über dem Nachtisch verteilen. Dies ist aber auch nicht so einfach, da der Zucker sofort fest wird, sobald er die kalte Crème berührt. Also: Brenner kaufen, kostet von Fackelmann knapp 20 Euro, lässt sich mit Feuerzeug-Benzin befüllen und nimmt kaum Platz im Schrank weg 😉

The world is my oyster: Das Austernexperiment und die Menüplanung

Der Herbst ist da und meine Schreibblockade scheint sich zusammen mit dem Sommer zu verabschieden. Da ich gerade mit Kopfschmerzen geplagt in meinem Sessel vegetiere, während in der Küche ein leckeres Gulasch vor sich hin köchelt, dachte ich mir, ich nutze die Zeit des Herumsitzens mal sinnvoll und schreibe euch was über mein gestriges kulinarisches Abenteuer.

Kurzer Einwurf vorweg. In meinem letzten Post habe ich mich über die Lästigkeit meines abgesperrten Balkons ausgelassen. Dieser ist zwar immernoch auf unbestimmte Zeit gesperrt („Eine Instandsetzung wird derzeit überprüft“), aber immerhin ist der Nicht-Streit mit meinem Vermieter vorerst beendet. Nicht-Streit daher, da eigentlich nur ich mich gestritten habe, er hat es vorgezogen, mich und meine Kontaktversuche einfach für ein halbes Jahr komplett zu ignorieren. Mittlerweile habe ich aber Meldung erhalten und habe sogar Recht bekommen. Er erkennt eine Mietkürzung von 15% an und hat mir sogar den entsprechenden Betrag für die Monate seit dem der Balkon gesperrt wurde erstattet. Ein kleiner Sieg für mich. Yey.

Eigentlich wollte ich nach der Arbeit nur schnell ein paar vor-wochenendliche Kleinigkeiten besorgen, als mich beim Rausgehen an der Fischtheke ein paar Schönheiten anstrahlten. Im Angebot waren Felsenaustern. Stückpreis: 1 Euro. Der Fischhändler meines Vertrauens gab mir beim Verpacken gratis eine Litanei über die gekonnte Öffnungs- und Zubereitungstechnik dazu. Ich habe natürlich wissend genickt und fachmännisch mit einem Lächeln erklärt, dass ich das schon hinbekommen würde. Tatsächlich hatte ich zuvor erst einmal Austern gegessen. Und zwar bei Red Lobster in Scottsdale, AZ, USA. Selbst zubereiten ist dann doch noch etwas anderes.

Austern

So stand ich dann später am Abend vor der Frage: was tun? Nach einer kurzen Facebook-Umfrage, die unter anderem den Vorschlag, sie wieder freizulassen (Gegenargument: die Werre scheint nicht unbedingt der geeignetste Lebensraum für diese Muscheln zu sein) hervorbrachte, entschied ich mich, die kleinen Tierchen zu gratinieren. Um dies in Angriff zu nehmen, musste ich sie aber erst einmal auf bekommen. Schnell eine Anleitung dafür aus meiner gestrigen Erfahrung:

Mit einer Bürste/ einem Pinsel die Muscheln von außen ordentlich abschrubben. Die Austern mit einem Küchenhandtuch festhalten (gibt einen besseren Halt und die Hand ist geschützt, falls man mit dem Messer abrutscht). Mit einem kurzen, stabilen Messer vorne, also am schmal zulaufenden länglichen Ende der Muschel, zwischen Deckel und Beuge einstechen (das ist etwas frickelig), mit dem Klingenrücken vorsichtig in beide Richtungen die Muschel öffnen und an der Innenseite des Deckels langfahren, damit wird der Muskel vom Deckel gelöst. Nun den Deckel nach oben klappen und das Muschelwasser in einem kleinen Topf auffangen.

Austern

Da Austern ja nunmal noch leben, wenn man sie so in der Hand hat, habe ich mich dazu entschieden, sie kurz zu pochieren, um ihnen ein schnelles Ende zu bereiten. Ich habe also das Austernwasser mit einem Schuss Weißwein und ein wenig Brühe aufgekocht und das vorsichtig ausgelöste Muschelfleisch wenige Sekunden darin pochiert. Die Austernschalen habe ich gut gereinigt und die vorgegarten Tierchen wieder hineingegeben. Hier kam nun schlicht ein kleiner Stich Butter und etwas geriebener Käse drüber. Damit sie einen besseren Stand haben, habe ich die Austern auf ein Salzbett in eine Auflaufform gesetzt und bei Vollgas ein paar Minuten gratiniert. Eine leckere kleine Vorspeise.

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Danach gab’s übrigens ein Lachssteak mit Kartoffelrösti und Sour Creme.

Mit dem Gulasch, das gerade auf meinem Herd steht, wird bei mir so richtig der Herbst eingeläutet. So sehr ich den Sommer auch liebe, kann ich es aus kulinarischer Sicht kaum noch abwarten, dass es Herbst wird. Kürbis, Wild, Kohl, Braten, Eintöpfe, Geschmortes… es gibt so viele tolle Dinge, die man in dieser Jahreszeit zaubern kann. Wenn das Wetter morgen mitspielt, werde ich vielleicht einen ersten Gang „in die Pilze“ machen. Hoffentlich springt schon eine kleine Beute dabei rum.

Ganz ambitioniert ist übrigens ein Plan, den ich mit einem Bekannten für Ende Oktober gefasst habe. Wir haben uns vorgenommen, ein 8-Gänge-Menü für unseren Freundeskreis zu zaubern. Interessanterweise haben wir noch nie zusammen gekocht und auch noch nie etwas vom jeweils anderen Gekochtes gegessen. Aber gemeinsame Freunde berichten, dass wir beide ganz toll koch   en würden. Ich bin gespannt. Ich habe bereits Janet dazu verpflichtet eine Fotodokumentation der Aktion zu inszenieren.

Hier mal zum Stand der Menüplanung. Das war mein erster Entwurf:

  1. Honigziegenfrischkäse / Wildkräuter oder Feldsalat / gebratene Rote Beete-Würfel / Granatapfelkerne
  2. Kalbsessenz / Ricotta-Nocken
  3. Risotto / Waldpilze / Prosecco
  4. Gebeizte Lachspraline / Fenchel / Orange
  5. (Brombeer-?)Sorbet
  6. Maispoularde / gerösteter Kürbis
  7. Reh-Rücken / Süßkartoffel-Gratin / Rotwein-Jus
  8. Créme Brulée

Nach erster Rücksprache darüber, gibt es ein paar Änderungen und sieht im Moment so aus:

  1. Honigziegenfrischkäse / Wildkräuter oder Feldsalat / gebratene Rote Beete-Würfel / Granatapfelkerne
  2. Wachtelessenz / Ricotta-Nocken
  3. Risotto / Waldpilze / Prosecco
  4. Gebeizte Lachspraline / Fenchel / Orange
  5. (Brombeer-?)Sorbet
  6. Wachtelbrust / gerösteter Kürbis
  7. Reh-Rücken / Topinambur-Stampf / Rotwein-Jus
  8. Créme Brulée

Meinungen?

Sommer-Salat: Bunte Markttomaten

Damit diese Woche nicht ganz ohne Rezept dahin geht, gibt’s heute ein ganz flottes Rezept von mir. Es ist Sommer und nach wie vor habe ich Stress mit meiner Wohnung. Mein Balkon ist aus „verkehrssicherheitlichen Gründen“ abgesperrt (ein Holzgitter wurde von außen vorgeschraubt, um das Betreten zu verhindern) und mein Vermieter weigert sich, mit mir zu sprechen. Das führt auf jeden Fall dazu, dass ich jede freie Minute irgendwo außerhalb meiner Wohnung verbringe. Zumindest jetzt, wo die Temperaturen nicht mehr „Herbst“ schreien.

Bevor es letzte Woche zum apokalyptischen Sturm in Lippe kam, habe ich am Samstagvormittag einen kleinen Spaziergang über den Detmolder Wochenmarkt gemacht. Hier trifft man viele Stände von Höfen und Läden und Fleischern aus der Region und mit ihnen alles, was das Herz begehrt. Ohne einen bestimmten Einkaufsplan habe ich mich dort umgeschaut und schnell mein Highlight gefunden. Ein Hof aus Jerxen-Orbke hatte dort einen wunderbar großen Stand mit Tomaten aller Art. Von Ochsenherzen, grünen, gelben, roten, Coktail-Tomaten und was man sich sonst so vorstellen kann gab es dort eigentlich alles. Ich habe also zugeschlagen und zum Mittag einen bunten Tomatensalat gezaubert.

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Bunter Markt-Tomatensalat

Für eine Portion:

  • 250g bunte Tomaten
  • 2 EL Bärlauchöl
  • 1 EL Kräuteressig
  • 1 TL Honig
  • Salz und Pfeffer

In einer Schüssel das Dressing zusammenrühren, die Tomaten vierteln und dazugeben. Vorsichtig vermengen servieren. Dazu gab’s bei mir einen Sesamring und Auberginenpaste vom türkischen Händler.

Noch ein wichtiger Hinweis: Die Tomaten sollten nicht aus dem Kühlschrank direkt verarbeitet werden. Sie schmecken am besten, wenn sie Zimmertemperatur haben.

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Sommer-Salat: Garnele/Melone/Tomate

Inspiriert von meinem Gang über den ersten Bielefelder Street Food Market in der letzten Woche, habe ich mich heute daran gewagt, ein Gericht zu nachzubasteln, das ich dort probiert habe. Ohne großes Geschwafel geht’s direkt ins Eingemachte.

Melonensalat mit Garnelen

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Melonensalat mit Garlenen, getrockneten Tomaten und Avocado

Für 2 Vorspeisenportionen braucht ihr:

  • eine halbe kleine Melone (ich habe eine spanische Jimbee verwendet)
  • geschälte Garnelen für 2 Portionen (je nach Größe variiert die Menge, es ginge auch mit Krabben!)Zubereitung
  • eine Knoblauchzehe
  • etwas Öl zum Braten
  • eine handvoll getrocknete, eingelegte Tomaten
  • ein paar Blätter frischen Basilikum
  • einen halben Bund glatte Petersilie
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 EL Zitronensaft (alternativ Weißweinessig oder ein Fruchtessig)
  • Salz und Pfeffer
  • eine halbe Avocado

Die Garnelen ggf. abtauen, entdarmen und gut trocken tupfen. Etwas Öl in einer Pfanne erhitzen und die Knoblauchzehe schälen und mit der flachen Seite des Messers kräftig anschlagen, so dass sie etwas auseinander bricht. Die Zehe im Öl braten (so kommt das Knoblaucharoma an die Garnelen, ohne dass später im Salat auf Knoblauch gebissen wird) und die Garnelen dazu geben. Schnell und heiß garen und mit Salz und Pfeffer würzen. Aus der Pfanne nehmen und etwas abkühlen lassen.

Die Melone schälen, kernen und in Würfel schneien. Anschließend in eine Schüssel geben. Nun die getrockneten Tomaten in möglichst feine Streifen schneiden und dazugeben. Die Avocado in kleinere Würfel schneiden. Petersilie und Basilikum hacken und alles vermengen.

Jetzt fehlt nur noch das Dressing. Dafür einfach Zitronensaft und Olivenöl mit etwas Salz und Pfeffer kräftig verrühren, so dass es emulgiert. Alle Zutaten vermengen und anrichten. Dazu passt knuspriges Knoblauchbrot.