Backen mit Schwips: Rotweinplätzchen

Zugegeben, für einen Schwips ist definitiv nicht genug Schuss in diesen Keksen. Lecker sind sie trotzdem alle Mal. Nach meiner Woche Urlaub, die ich hauptsächlich am Schreibtisch (oder viel mehr mit dem Laptop auf dem Schoß) verbracht habe, wollte ich den Kollegen eine kleine Einstimmung auf die Weihnachtszeit mitbringen. Also habe ich gestern eine Rutsche Rotweinplätzchen gebacken. Das Rezept habe ich von meiner Stiefmutter und es mausert sich über die Jahre zu einem meiner All-time-favourites.

Rotweinplätzchen

DSC_9059

Das braucht ihr für etwa 50 zusammengebaute Plätzchen:

  • 125g Zucker
  • 125g Butter
  • 1 Ei
  • 2 gestr. EL Backpulver
  • 250g Mehl (ggf. etwas Mehr zum Ausrollen)
  • 1 EL Kakaopulver (ungesüßt, also Back-Kakao)
  • 1 TL Zimt
  • 3 EL Rotwein, trocken
  • 150g Kuvertüre
  • ~50g gemahlene Mandeln (im Original sind es Haselnüsse, aber darauf bin ich allergisch)
  • etwa 100g Himbeer- oder Johannisbeergelee

Die Butter in Stückchen schneiden und mit dem Zucker aufschlagen. Das Ei und den Rotwein dazugeben und gut verrühren. Mehl, Backpulver, Kakao und Zimt mischen und nach und nach dazu geben. Der Teig ist jetzt eventuell noch etwas klebrig. Wer Zeit hat, kann ihn für eine Stunde in den Kühlschrank legen, dann lässt er sich besser verarbeiten.

Die Arbeitsfläche gut bemehlen und ggf. noch etwas Mehl in den Teig einkneten, so dass er sich ohne zu kleben  ausrollen lässt. Relativ dünn ausrollen (er sollte gerade so dick sein, dass sich die ausgestochenen Plätzchen gut aufs Blech transportieren lassen) und nach belieben Plätzchen ausstechen. Ich habe einen Herz-Ausstecher genommen.

Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen (insgesamt waren es in der Teigmenge 6 Bleche bei mir) und im vorgeheizten Ofen bei 170°C Ober-/Unterhitze für 8-10 Minuten backen. Die Kekse sollen nicht braun werden und sind noch recht weich, wenn man sie aus dem Ofen nimmt. Innerhalb weniger Minuten werden sie aber außen knackig und haben noch einen weichen Kern.

kekse

Nun heißt es puzzlen: Immer zwei Plätzchen finden, die halbwegs gut übereinander passen. Eine Seite mit etwas Gelee bestreichen (vorher etwas glatt rühren, dann klappt das besser) und an die Seite legen.

Die Kuvertüre schmelzen und nun entweder den Rand der Plätzchen zunächst durchziehen und dann in Mandelmehl wälzen oder mit der Kuvertüre besprenkeln und Mandeln darüber streuen.

Gut trocknen lassen und anderen damit eine Freude bereiten! 🙂

Advertisements

Snickerdoodles: Zimtbomben mit brauner Butter

Der erste Advent ist nicht mehr fern und die große Weihnachtsbäckerei steht vor der Tür. Auch bei mir wurde am Montag die Küche in den Ausnahmezustand versetzt, als meine kleine Schwester zum großen Backwahn kam. Ein kleines Warm-Up gab es für mich schon letzte Woche.

Bei meinem letzten Amerika-Urlaub habe ich mich ja in viele kulinarische Dinge verliebt, unter anderem in Snickerdoodles. Besonders lecker waren die gluten- und eifreien Kekse von Trader Joe’s. Die gibt es hier aber leider nicht und ich finde auch noch kein Rezept, was dem nahe kommen könnte. Mein Bruderherz hat mir jetzt aber ein Care-Paket versprochen. So lange begnüge ich mich mit diesen mindestens ebenso köstlichen, wenn auch sicherlich etwas weniger gesunden süßen Sünden, die mit ihrer braunen Butter-Note auf dem Adventsteller ganz klar herausstechen.

Das Original-Rezept ist übrigens von ambitious kitchen und von mir nur interpretiert. Ich habe bewusst die Kombi aus Baking Soda und Cream Tartar (reiner Weinstein) durch Weinsteinbackpulver ersetzt, da dies hier gängiger ist. Wer es original backen will, nimmt auf die unten angegebene Rezeptmenge 1/2 TL Backsoda und 1 TL Weinstein anstelle des Weinsteinbackpulvers.

Snickerdoodles

DSC_9039

Das braucht ihr:

  • 175g Mehl
  • 2 TL Weinsteinbackpulver (gibt’s im Supermarkt)
  • 1/2 TL Zimt
  • 1/4 TL Salz
  • 110g braune Butter (dafür Butter so lange erhitzen, bis diese leicht nussig riecht und anfängt gold-braun zu werden. Achtung, verbrennt schnell)
  • 100g brauner Zucker
  • 50g weißer Zucker
  • 1 Ei
  • 1/2 TL Vanille-Extrakt
  • 1 TL griechischer Joghurt

zum Wälzen:

  • 50g Zucker
  • 2 TL Zimt

Die noch flüssige aber nicht mehr ganz heiße braune Butter mit Zucker aufschlagen, Ei, Vanille und Joghurt dazugeben. Mit den trockenen Zutaten kurz zu einem glatten Teig verarbeiten. In Frischhaltefolie gut 2-3 Stunden in den Kühlschrank legen.

Den restlichen Zucker mit dem Zimt vermischen. Walnussgroße Kugeln aus dem Teig formen und im Zimt-Zucker-Gemisch wälzen. Auf ein Blech legen und bei 175°C Ober- / Unterhitze etwa 8-12 Minuten backen. Gerade so lange, dass der Rand anfängt zu bräunen. Die Kekse sollten nicht ganz durchgebacken und noch leicht cremig in der Mitte sein.

Ich hab‘ die Kugeln etwas größer gemacht und in einem Muffinblech gebacken. Dadurch sind die Kekse leicht überdimensional, sehen aber alle schön gleichmäßig aus. Bei dieser großen Variante reicht der Teig für 14 Kekse. Bei etwas kleineren Kugeln dürften gut 20 herauskommen.

Damn, that’s delish! Hähnchen in Zitronenbutter

Dieser herbstliche Freitagabend konnte mich einfach nicht vom Sofa weglocken. Draußen windet’s und tröpfelt’s ein wenig vor sich hin und so klang das Gläschen (oder so) Wein und ein Ausflug ins Serienland vielversprechend. Die Koch-Kreativität wollte auch nicht so wirklich sprießen, also habe ich das getan, was ich eigentlich nie tue: ich habe nach Rezept gekocht. Und zwar eines, das ich schon vor einiger Zeit in meinem aktuellen Lieblingsblog, DamnDelicious, gesehen habe: Lemon Butter Chicken. Da amerikanische Rezepte immer etwas schwierig sind, was die Mengenangaben angeht, halte ich hier meine Interpretation für euch fest.

Am Rande: Nebenbei sehe ich gerade auf VOX, dass Yvonne Catterfeld mit Roger Cicero eine neue Interpretation von „Something Stupid“ rausbringt. Braucht das die Welt?!

Hähnchenkeulen in Zitronenbutter

DSC_9033

Das braucht ihr:

  • Hähnchenschenkel (die Soße reicht für etwa vier ganze, ich habe nur zwei verwendet; das Original sieht acht vor – allerdings ohne Unterschenkel)
  • Salz und Pfeffer
  • etwas geräuchertes Paprikapulver (alternativ edelsüß)
  • 3 EL Butter
  • 2-3 Knoblauchzehen
  • 125ml Hühner- oder Gemüsebrühe
  • Saft einer Zitrone
  • 1 TL getrockneter Thymian
  • Zwei handvoll frischer Babyspinat, grob gehackt
  • 150ml Sahne
  • 50g geriebener Parmesan

Den Backofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vorheizen!

DSC_9029Die Hähnchenschenkel abspülen, abtupfen und mit Salz, Pfeffer und dem Paprikapulver würzen. In einer nicht zu kleinen, am besten ofenfesten, Pfanne einen Esslöffel Butter schmelzen und die Schenkel auf der Hautseite kräftig anbraten, wenden und auch die Unterseite kurz anbraten. Währenddessen den Knoblauch hacken. Die Schenkel auf einen Teller legen und beiseite stellen, das übrige Fett wegschütten (die Pfanne nicht ausspülen).

Den Rest der Butter in der Pfanne schmelzen und den Knoblauch darin DSC_9030braten. Mit der Brühe ablöschen. Zitronensaft, Sahne, Thymian, Parmesan und Spinat dazugeben. Etwas pfeffern und die Soße etwa 5 Minuten kräftig köcheln lassen, zwischendurch umrühren, damit der Parmesan nicht ansetzt. Die Hähnchenschenkel in die Soße legen und die Pfanne in den Ofen stellen. Bei 200 Grad etwa 30 Minuten backen, bis das Huhn gar ist.

Und schon sind sie fertig, die leckeren Zitronenbutter-Keulen. Zum Tunken der Soße passt einfach Brot. Auch Reis, Couscous oder Ofenkartoffeln  sollten prima harmonieren. Ich habe mich entschlossen, Pasta dazu zu essen. Die Zitronensoße hat einen leckeren italienischen Touch, der für mich danach geschrien hat.

Alternativ kann ich mir gut vorstellen, den Zitronensaft mit O-Saft und den Spinat mit Rucola zu ersetzen. Wird dann etwas süßer, solle aber auch sehr lecker sein. Etwas ähnliches habe ich schon öfter als Geschnetzeltes gekocht.

A little less drama please – Oder: Der Mann, der mich nicht das Fürchten lehrte

Meine Mentorin in der Uni pflegte immer zu sagen, Angst käme etymologisch betrachtet von „Enge“ und sie würde es überhaupt nicht einsehen sich einengen zu lassen oder sich selbst einzuenengen. Dies sei nur eine Beschränkung im Kopf. Und daher habe sie auch keine Angst. An Tagen wie diesen rufe ich mir die Erinnerungen an diese Lektion gerne wieder zurück ins Gedächtnis, denn nach manchem Erlebnissen ist es gar nicht so einfach, sich daran zu erinnern, dass man keine Angst haben will und stark sein kann. Freitagnacht war einer dieser Momente, als ein Mann mich auf dem Nachhauseweg ansprach, verfolgte und schlussendlich in einen dunklen Weg zog und zu Boden riss.

Ich frage mich an solchen Wochenenden, wie das wohl ist, wenn man eher ein durchschnittliches Leben führt. Arbeiten von 9 bis 5, zum Partner nachhause kommen, die obligatorische Fernsehsendung gucken, zwei mal wöchentlich Sex aus Pflichtgefühl haben und dabei die Einkaufsliste für den nächsten Tag zurecht dichten. Am Wochenende zu gediegenen Pärchenabenden ziehen und immer brav vor Mitternacht ins Bett gehen. Nach zwei Bieren sich etwas schummerig fühlen und lieber nicht mehr so viel trinken. Ab und zu die Eltern besuchen, die in selbiger Einöde vor sich hin leben und natürlich auch die hart auf die 30 zugehenden Kinder mit Finanzen und Rat unterstützen. Eigentlich keine Angst haben zu müssen, dass es mit dem Job doch nicht so klappen könnte, denn zur Not zieht man halt mal wieder bei Mama und Papa ein. Das gute, brave Mädchen zu sein, das sowieso nicht bis in die Puppen loszieht und wenn das doch mal vorkommt, sich kichernd mit ihrer Gluckenherde ein Taxi teilt. Das Leben wäre auf jeden Fall anders.

Versteht mich nicht falsch. Ich will niemanden verurteilen oder kritisieren der so lebt. Jedem sei ja selbst überlassen, wie er sich glücklich fühlt und was er vom Leben erwartet. Ich mag es nicht die traurige „Ich habe keine Eltern mehr“-Karte zu ziehen oder rumzujammern, dass ich ein echtes Problem habe, wenn ein finanzieller Schlag kommt. Mit Ersterem muss ich leben, für Zweiteres habe ich mich entschieden, als ich mir vorgenommen habe in einem Job zu arbeiten, der mir wirklich gefällt und für den ich eine Leidenschaft entwickeln kann, statt den einfachen Weg zu gehen. Es hat zwar ein paar Jahre länger gedauert, bis sich der Weg so richtig abgezeichnet hat, aber im Moment sieht die Perspektive ganz gut aus.

Ich gehe gerne aus. Auch lange. Und bis tief in die Nacht. Dabei fließt dann auch das ein oder andere Bier, manchmal auch ein Schnaps. Ich mag es, an der Theke zu sitzen, mit skurrilen Gestalten über abstruse Dinge zu philosophieren und einfach in dem Moment zu schwelgen. Ich brauche dabei nicht immer eine große Gruppe von Freunden um mich herum, um mich sicher zu fühlen. Ich fühle mich auch sicher mit mir selbst. Ich bin erwachsen. Nachdem ich vor zwei Jahren im Urlaub zusammen mit einer Freundin nachts überfallen wurde, war ich eine ganze Zeit lang etwas zitterig, wenn ich abends in einer dunkleren Ecke lang gelaufen bin. Man muss dazu sagen, ich wohne wirklich nah an der Stadt. Von der Kneipe, in der ich oft als letzte Station strande, laufe ich im nüchternen Zustand etwa 8 Minuten bis zu meiner Wohnung. Nach einem langen Abend können es mal 15 werden. Damals habe ich mir für diese Strecke oft ein Taxi gerufen und wurde von allen, inklusive den Taxifahrern, dafür belächelt. Ob ich denn so faul sei, dass ich die paar Meter nicht laufen könne. Ob ich denn so reich sei, dass ich das Geld so aus dem Fenster schmeißen könnte. Ein wenig gab ich den Stimmen irgendwann recht und fing an, öfter wieder nachhause zu laufen. Letztendlich tun ein paar Meter an der frischen Luft ja auch ganz gut.

Natürlich ist es nicht klug, alleine tief in der Nacht herumzulaufen. Mein Weg führt zwar an zwei Hauptstraßen entlang, in einer tiefenentspannten Stadt wie Detmold tut das jedoch nicht viel zu Sache. Hier schaffe ich es gelegentlich, den gesamten Weg aus der Innenstadt zu laufen, ohne, dass mir auch nur ein Auto entgegenkommt. Am Freitag war eben einer dieser besagten Abende. Es war Ohrenschmaus in der Stadt (für die Nicht-Detmolder: das ist ein Kneipenfestival mit Livemusik und vielen betrunkenen Menschen) und nachdem mein Portemonai Ebbe anzeigte und ich dafür umso voller war, trat ich gegen 3 Uhr morgens den Heimweg an. Freunde von mir blieben an der Theke zurück, konnten dem wohligen Rausch noch nicht Gute Nacht sagen und ließen mich sorglos ziehen. Ich war kaum 200 Meter weit gekommen, als ein Mann hinter mir her kam und mich ansprach. Er könne kein Deutsch, nur Französisch und er fände mich so hübsch. Ich war zu betrunken um mich geschmeichelt zu fühlen, wollte einfach nur nachhause und schlafen und hoffen, dass mein Brummschädel am nächsten Morgen zulassen würde, dass ich mein Bett jemals wieder verließe. Englisch konnte der Mann auch nicht, oder wollte es nicht verstehen. Meine Versuche, zu verdeutlichen, dass ich überhaupt kein Interesse hatte, scheiterten. Die gebrochenen Reste meines Schulfranzösisch brachten mich nicht wesentlich weiter, also gestikulierte ich mit Händen und Füßen und setzte dazu an, meinen Weg fortzusetzen und dabei möglichst höfliches Desinteresse zu vermitteln.

IMG_20151108_163620~2

Vergebens. Er folgte mir immer weiter auf meinem Weg, sprach in schnellem Franzöisch, zog mich zu sich hin, versuchte mich zu küssen. Ich schubste ihn, wusste, ich hätte keine Chance, würde ich versuchen, wegzurennen. Meine Sportlichkeit hält sich in Grenzen, die Uhrzeit und der Alkohol machten das nicht gerade besser. Ich war immernoch überzeugt, er würde früher oder später abziehen. Was solle an der Hauptstraße schon groß geschehen. Ich gestikulierte, dass ich nur noch ins Bett gehen möchte, alleine. Versuchte ihn loszuwerden, indem ich darauf pochte, er solle mir seinen Facebooknamen geben, dann würde ich mich die Tage bei ihm melden (was ich selbstverständlich niemals vor hatte). Kurioserweise fand er sich nicht in der Liste, was daran liegen könnte, dass er einfach „nicname nicname“ eingegeben hat. Habe ich natürlich erst im wieder nüchternen Zustand am nächsten Tag realisiert. Ich versuchte nun also durch die Änderung meines Kurses darauf zu hoffen, dass er endlich von mir abließ.

Dabei machte ich einen großen Fehler, denn ich wechselte die Straßenseite. Hier geht vom Bürgersteig aus ein kleiner dunkler Pfad zu einem Parkplatz ab. Der Mann sah seine Chance, zog mich auf den Pfad, zog mich an sich heran und riss mich zu Boden. Als er über mir lag, versuchte ich ihn wegzuschubsen, mich wegzudrehen, um Hilfe zu rufen. Er zerrte an mir, riss meinen Arm zur Seite, zog an meinem Schal und zerriss dabei meine Kette. Schreien kann ich, und zwar laut. Das ist einer der Vorteile, wenn man prinzipiell ein recht lauter Mensch ist. Meine Stimme lässt mich nie im Stich. Der Mann sprang schließlich auf und sprintete in Richtung Hauptstraße von dannen. Ich stand zitternd auf, suchte meine Kette und meinen Anhänger und ging ebenfalls zurück in das Licht der Straßenlaternen. Kurz war ich versucht, einfach nachhause zu gehen. Ich war vergleichsweise ruhig innerlich. Habe mich geärgert, dass ich nicht einfach bei den anderen an der Theke geblieben bin, mit einem ungefährlichen Mann nachhause gegangen bin oder das verdammte Taxi gerufen habe. Dann sah ich die kaputte Kette in meiner Hand. Mein Bruder hat sie mir geschenkt, als ich das letzte mal in Arizona war. Der Anhänger ist ein indianisches Zeichen für Musik und Familie und Hoffnung. Eine Seite ist Opal, sein Geburtstsstein und die andere Tiegerauge, mein Lieblingsstein. Ich habe sie seitdem nie abgenommen, da ich mit ihr immer erinnert bin, an diesen wichtigen Teil meines Lebens und weiß, dass mein Bruder immer für mich da ist. Wie diese Kette nun zerissen in meiner Hand lag, bin ich einfach nur noch wütend geworden. Auf mich zum Einen aber vor allem auf dieses Arschloch, das es wagt, mich einzuengen, versucht mir Angst zu machen, denkt, er hätte irgendwelche Ansprüche oder wäre stärker als ich, nur weil er ein Mann ist und ich eine schwache Frau bin.

Ich rief die 110, schilderte mit schwerer, betrunkener Zunge, dass jemand versucht hat, mich zu vergewaltigen (auch wenn das faktisch soweit erstmal nicht ganz korrekt war, schließlich war es nun eher meine Vermutung, dass er das vorhatte). Ich blieb ganz ruhig an der Straße stehen, rauchte eine Zigarette und wartete auf das Eintreffen der Beamten. Diese kamen etwa zehn Minuten später, durchsuchten mit Taschenlampen die Umgebung nach Hinweisen, befragten mich nach Details und ließen mich pusten. Ja, ich war voll, aber das macht die Sache ja nunmal nicht ungeschehen. Die insgesamt 5 Beamten waren freundlich aber distanziert. Ein wenig unbeholfen stand ich da rum, wusste nicht genau was passiert, hatte aber durchaus das Gefühl, ernst genommen zu werden. Zwei der Polizisten, die in zivil waren, brachten mich nach Hause, fotografierten einen Kratzer an meinem Hals und Namen meine Jacke, Schal und mein Oberteil mit, um auch diese auf Spuren zu untersuchen. Ich rief in dieser Nacht noch eine Freundin an, froh, dass ich Freunde habe, die morgens um halb 5 noch ans Handy gehen, weil sie wissen, dass ich nur in einer absoluten Krise anrufen würde. Während ich rauchend am Fenster stand wurde ich auch wieder ruhig. Die ganze Aufregung mit der Polizei war doch etwas viel für meine Nerven.

Am folgenden Morgen habe ich mich recht schnell entschlossen, die Geschichte in kurzer Form auf Facebook zu posten. Falls irgendjemand das Ganze mitbekommen hat, wollte ich darauf aufmerksam machen. Und vor allem wollte ich mich und alle anderen daran erinnern, dass auch Detmold gefährlich sein kann. Man muss nicht durch eine Großstadt laufen oder in der finstersten Ecke unterwegs sein. Ich war mitten an der Hauptstraße und dennoch nicht sicher. Aber: ich habe auch keine Angst. Ich habe keine Angst davor, alleine in die Stadt zu gehen oder alleine unterwegs zu sein. Ich lasse mich nicht verschrecken von jemandem, der Frauen angreifen muss, um Körperlichkeit zu erfahren. Ich will diese Sprüche, die immer beginnen mit „wie kann man als Frau um die Uhrzeit nur…“, nicht hören und vor allem nicht leben. Ich bin eine Frau und ich kann, was ich will. Es macht mich nicht zu einem schlechteren oder schwächeren Menschen, dass ich kein Mann bin. Ich lasse mich nicht in eine Opferrolle drängen und bin nun kein zu tiefst traumatisierter Mensch, der mit Samthandschuhen angefasst werden muss. In einem Facebookkommentar wurde mir vorgeworfen, wie „hirnlos“ ich sei, dass ich in die Nähe dieses dunklen Wegs gegangen bin. Vielen Dank auch, dass das nicht die klügste Entscheidung war, ist mir mittlerweile auch klar. Ein anderer Kommentartor wetterte sofort los, dass man nun, da wir ja all die Flüchtlinge nach Deutschland lassen, sowieso niemand mehr sicher sein kann. Auch dies ist ein wahnsinnig hilfreicher Kommentar, zumal ich meinen Angreifer an keiner Stelle als Flüchtling beschrieben habe. Aber wer die Hasskappe auf hat, trägt sie eben immer mit sich herum.

Letztendlich haben viele Freunde und Bekannte toll reagiert, meinen Beitrag geteilt und ebenso damit versucht, weitere Zeugen zu finden. Viele haben angerufen und gar ganze Telefonketten gestartet. Ich danke euch allen, dass ihr euch so um mich sorgt. Aber mir geht es gut. Mir geht es immer gut. Ich lasse mich nicht einengen und mir schon gar keine Angst machen.

Arrrrrrriba! Hot Tex-Mex Chili con Carne

Weiter geht’s mit der südamerikanischen Küche. Ein richtig gutes Chili essen, das klingt so viel einfacher als man denkt. Das, was ich bisher in Deutschland als Chili serviert bekommen habe, war in der Regel meistens nur Hack in Tomatensoße mit Bohnen. Leckere Gewürze, eine tolle Schärfe und das bisschen mexikanische Lebensfreude kann man dabei lange suchen. Ein gutes Chili lässt die Augenlieder flackern und ist ein bisschen wie guter Sex – heiß und eine Erinnerung wert.

Tatsächlich habe ich mein Grundrezept gar nicht aus Amerika mitgebracht, sondern bei einem Freund abgeguckt. Von ihm habe ich die tolle Idee, das Ganze mit Kaffee, Schokolade und Bier (!) zu würzen. Als Beilage gibt es bei mir in der Regel nur aufgebackene Brötchen oder Baguette. Wenn ich für Besuch koche, mache ich dazu gerne noch eine Guacamole und rühre ein bisschen Sour Cream an. Dazu ein paar Nachos und/oder Blätterteig-Käsestangen und alle sind glücklich 😉

Nun will ich euch aber gar nicht länger auf die Folter spannen, auf geht’s:

Chili con Carne

IMG_20151025_175808975
Ihr braucht:

  • 300g Hack (250g tun es auch, wer’s fleischiger mag, nimmt 500g)
  • Etwas Öl
  • 1 Zwiebel
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 2 Piri-piri Chilis (bzw. je nach Vorliebe)
  • 1 TL Cumin (= Kreuzkümmel)
  • 1/2 TL gemahlener Koriander
  • 1 TL Paprika rosenscharf
  • 1 TL Paprika edelsüß
  • etwa 1 TL brauner Zucker
  • Salz und Pfeffer
  • 1 Dose Bohnen (Chilibohnen oder Kidney, ihr könnt auch die Dose vermeiden und getrocknete selbst im Vorfeld über Nacht einweichen)
  • 1 Dose gehackte Tomaten (400g)
  • 1 grüne Paprikaschote, ggf. mehr (ich habe noch eine rote dazu verwendet)
  • eine kleine Flasche (0,33) dunkles Bier (in meinem Fall Liebhardts dunkles Landbier, richtig lecker ist es auch mit Schwarzbier z.B. Köstritzer oder Liebhardts „Dat Schwatte“)
  • 1 Espresso
  • ca. 20g dunkle Scholoade (mindestens 50% Kakao, besser 70%)
  • Etwa 1/2 Tube Tomatenmark
  • Fischsauce (gibt’s im Asialaden)

Das Hack in einem großen Topf mit etwas Öl anbraten. Die Zwiebel währenddessen schälen und würfeln und dann dazu geben. Den Knoblauch und die Chilis fein hacken (für etwas weniger Schärfe die Chilis zuvor entkernen!) und ebenfalls mitbraten. Wenn das Hack leicht gebräunt und die Zwiebelwürfel glasig sind, die Gewürze dazugeben und anrösten. Die Bohnen in einem Sieb unter fließendem Wasser abspülen und abtropfen lassen, dann dazugeben. Mit dem Espresso ablöschen und diesen komplett einkochen lassen. Danach das Bier dazu geben und dieses kurz aufkochen lassen. Die Tomaten ebenfalls dazu geben, gut umrühren und auf kleinster Flamme mindestens 20 Minuten, bestenfalls bis zu einer Stunde köcheln lassen.

Die Paprika in kleine Würfel schneiden und zum Chili geben. Etwa 5 Minuten köcheln lassen, dann soviel Tomatenmark dazu geben, dass eine angenehme Konsistenz entsteht. Etwas Salz und Pfeffer dazu geben und die Schokolade einrühren. Kurz ziehen lassen und mit der Fischsauce abschmecken.

Das kann man nun so als Eintopf essen oder mit Sour Cream, Guacamole und Cheddar toppen. Auch frischer Koriander oder Schnittlauch machen sich gut dazu.

Entscheidungskrise: Apfel-Streusel- und Blaubeermuffins

Es ist Sonntag und die Tristesse vor meinem Fenster lädt dazu ein, mit einer großen Tasse Kaffee auf dem Sofa zu lümmeln und das Wochenende Revue passieren zu lassen. Da ich fleißig versuche, endlich mein Studium zu Ende zu bringen, habe ich nicht für soviele andere Dinge einen Kopf. Aber den Ofen habe ich mal zwischenzeitlich angeschmissen und zum Nachmittagskaffee ein paar leckere Kleinigkeiten gezaubert.

Blaubeer- und Apfel-Streusel-Muffins

photo 4

Muffins – Grundrezept (für 12 Muffins)

  • 125g Butter
  • 90g Zucker
  • 2 Eier
  • 2 TL / 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1,5 TL Backpulver
  • 250g Mehl
  • ggf. ein paar Tropfen Vanillearoma
  • 120ml Milch
  • eine Prise Salz

Die Butter in einer großen Schüssel mit dem Zucker und Vanillezucker verrühren (klappt besser, wenn die Butter Raumtemperatur hat und schon etwas weicher ist). Die Eier dazu geben und solange mixen, bis die Masse einigermaßen homogen ist. Die Milch und etwa Salz mit dazu geben. Das Mehl mit dem Backpulver vermischen und zum Teig geben. Den Teig glatt rühren.

photo 1

Nun kann man davon ausgehend alles mögliche mit dem Muffings veranstalten. Ich habe den Teig in zwei Schüsseln aufgeteilt und bei einer Hälfte Blaubeeren (125g), bei der anderen Hälfte Apfelstückchen (von zwei kleinen Äpfeln) untergehoben. Den Teig dann in Muffinförmchen geben (diese sollten bestenfalls nicht randvoll sein, da der Teig noch aufgeht. Ich mache sie immer zu voll). Bei den Blaubeermuffins eine Mischung aus Zucker mit geriebener Muskatnuss (ja, wirklich!) drüber streuen. Die Apfelmuffings kriegen Zimtstreusel drüber (50g Butter, 50g Zucker, ~30g Mehl und 1/2 TL Zimt). Im vorgeheizten Backofen bei 180°C Ober-/Unterhitze für etwa 25 Minuten backen.

Texas BBQ: Brisket aus dem Smoker

Gestern Abend war es endlich soweit. Nach einer Woche Planung haben wir uns an ein Brisket aus dem Smoker gewagt. Statt eines Rezeptes, hier in Kurzfassung die Zubereitung, da ich leider nur den Abschluss mitbekommen habe.

Brisket ist ein Stück aus der Rinderbrust, ein Schnitt, den wir in Deutschland als solchen nur selten angeboten bekommen. Am nächsten kommt dem ganzen das Bürgermeisterstück. Das Fleisch lag diese Woche ganz in der Hand der Grillmeister, Nico und Stefan. Die Herren haben am Donnerstagabend eingekauft und die beiden Brisketstücke zusammen mit einem Schweinenackenbraten mit einem Dry-Rub versehen. Das ist übrigens ziemlich genau das, was der Name sagt: eine trockene Mariande, die in das Fleisch einmassiert wird. Der Überlieferung nach wurden hierfür reichlich Salz und Pfeffer, außerdem etwas Rosmarin und ein My edelsüßes Paprikapulver verwendet. Anschließend ist das Fleisch über Nacht in den Kühlschrank gewandert und durfte dort ruhen.

Gestern haben die beiden dann ihren freien Tag dazu genutzt, sich den ganzen Tag um die guten Stücke zu kümmern. Um halb 11 Uhr morgens wurde der Smoker angefeuert und auf eine Starttemperatur um die 140°C  gebracht – diese war bewusst etwas höher gewählt, da die Temperatur mit dem einlegen des Fleisches etwas fällt. Mit einem tollen Funkthermometer versehen ist das Fleisch auf den Grill gewandert und durfte hier jetzt eine gute Ewigkeit ruhen. Währenddessen haben die Jungs eifrig kontrolliert, dass die Temperatur im Grill immer um die 100 – 120°C heiß war. Das hieß fleißiges Holz nachlegen und gelegentlich den Deckel zum abkühlen öffnen.

Bei einer erreichten Kerntemperatur von 80°C (nach etwa 5,5 Stunden) haben sie das Rind in Alufolie gewickelt. Dies wird als „Texas Crutch“ bezeichnet – eine Krücke, die dabei helfen soll, sogenannte „Plateauphasen“ bei der Zubereitung zu überspringen. Im Großen und Ganzen soll es den Prozess beschleunigen.

Ziel war eine Kerntemperatur von 92°C, die wir um 19.30 Uhr, also nach guten 8,5 Stunden erreicht haben.

Zart und köstlich war es. Wer sich jetzt überlegt, gleich einen Smoker anzuschaffen und auch damit loszulegen, sollte bedenken, dass dies wirklich Geduld erfordert. Einfach nur das Fleisch reinschmeißen und den ganzen Tag etwas anderes tun, funktioniert nicht. Man muss immer in Bereitschaft bleiben, eventuell die Temperatur auszugleichen.

Mein Fazit: Ein leckeres Highlight mit einem stark unterschätzten Teilstück vom Rind. Jedoch bevorzuge ich persönlich definitiv Pulled Pork. Die hohe Marmomierung des Schweinenackens bringt einfach einen so schönen Schmelz und eine Zartheit ins Fleisch, die die vergleichsweise magere Rinderbrust nicht erreichen kann. Unser Abend war aber wunderbar und ich könnte mir keine besseren und gewissenhafteren Grillmeister vorstellen! Als Beilage hatten wir meine Cornbread Muffins, roten Krautsalat (der mir etwas daneben geraten ist und in Resteverwertung gerade zum Rotkohl umgewandelt auf dem Herd den Rest seines Daseins fristet) und Tzaziki. Als Nachtisch konnte endlich meine Burned and Salted Caramel Icecream glänzen. Rezept folgt!

Leider konnte ich erst am Abend dazustoßen, aber Stefan hat den aufregenden Tag mit der Kamera dokumentiert. Der Hunger war natürlich mal wieder zu groß, so dass es kein vernünftiges Foto vom fertigen Endprodukt gibt. Auf dem Bild mit dem fertig gebratenen Fleisch ist das Ergebnis des gesmokten Nackenbraten zu sehen.

Sweet ’n‘ Spicy Cornbread Muffins

So. Ein zweiter Versuch. Nachdem ich just die tolle WordPress-App für Android ausprobiert und einen ganzen Beitrag mit der Spracheingabe gebloggt habe, der dann komplett leer auf der Website erschienen ist (grrrr), gehe ich jetzt doch zur konventionelleren Methode über.

Wie bereits auf meiner Facebookseite angekündigt, habe ich nun die fantastischen Cornbread Muffins aus dem Damn Delicious-Blog nachgekocht. Im Vergleich zum Originalrezept habe ich allerdings die Zuckermenge deutlich verringert und stattdessen ein wenig Mais dazugegeben. Die kleinen scharfen Küchlein gibt’s morgen als Snack oder Beilage zum Brisket, das im Smoker gegart wird.

Sweet ’n‘ Spicy Cornbread Muffins

cornbread2

Das braucht ihr für 12 Muffins

  • 125g Weizenmehl
  • 125g Maismehl
  • 1/2 TL Salz
  • 1/2 Backpulver (bzw. das amerikanische Baking Soda)
  • 250ml Buttermilch
  • 60g Butter
  • 50g Zucker
  • 1 TL Honig
  • 2 Eier
  • 1/2 Jalapeno für den Teig und ggf. eine für die Deko
  • 50g Cheddar

Mehl, Salz und Backpulver in einer großen Schüssel vermischen. Währenddessen die Butter schmelzen und mit der Buttermilch, den Eiern, dem Zucker und dem Honig verschlagen. In die Mehlmischung eine Mulde machen und die Flüssigkeit langsam hereinlaufen lassen.    Dabei cornbread4umrühren und nach und nach etwas mehr Mehl einrühren. Das Originalrezept sieht vor, dies nur mit einem Teigschaber/Holzlöffel zu machen und ich habe mich auch daran gehalten. Mit einem Mixer könnte der Teig zu schnell überarbeitet werden, das heißt, dass das Mehl aufbricht und sich anders verhält.

Zum Schluss die Jalapeno fein hacken und zusammen mit dem Käse vorsichtig unterrühren. Wer’s machen möchte wie ich, gibt noch etwa 2 EL Mais dazu.

Den Teig in ein (ggf. leicht geöltes) Muffinblech geben, eventuell je ecornbread3inen feinen Jalapeno-Ring zur Deko darauf legen und bei 190°C Ober-/Unterhitze für 15 – 20 Minuten backen. Die Muffins sollten gold-gelb sein. Wer mag kann vor dem Servieren etwas Honig darüber träufeln – ich lasse diesen Schritt weg, da mir persönlich das zu süß werden würde.

Das war’s auch schon. Jetzt heißt es für mich abwarten bis morgen und mal gucken, cornbreadwas die anderen davon halten. Im Kühlschrank schlummert als weitere Beilage noch ein viel zu großer Berg roter Coleslaw und eine Etage tiefer wartet meine Salted Caramel Icecream auf ihren Auftritt. Das kann nur ein fantastischer Abend werden!