Spargel dreierlei: Römisch, früh und siciliano

Sie ist wieder da, meine liebste Jahreszeit: Die Spargelzeit hält nun in allen Teilen Deutschlands Einzug. Noch bis zum Johannistag, dem 24. Juni, wird gestochen. In der Vergangenheit habe ich ja Stein und Bein auf die Zubereitung im Alumantel geschworen, nun möchte ich drei weitere fantastische Rezepte präsentieren.

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I. Im Römer.

Spargel aus dem Römertopf ist so unkompliziert, wie nur eben möglich. Das Gemüse wird dazu einfach nur geschält, der Topf (und Deckel!) etwa 15 Minuten gewässert. Ohne zusätzliche Flüssigkeit kommt der Spargel in den Topf, dazu ein Stich Butter, etwas Salz, eine Prise Zucker und ein Pfützchen Zitronensaft. Kurz mit den Händen durchmengen, Deckel drauf und in den kalten Ofen stellen. Diesen nun auf 180°C Ober-/Unterhitze anschalten und nach etwa 45 Minuten ist der Spargel im eigenen Saft gegart und mit herrlicher Butternote versehen. Der Vorteil: Auch größere Mengen (getestet mit einem Kilo) lassen sich auf einen Rutsch gleichmäßig zubereiten. Der Nachteil: Es dauert etwas länger als die herkömmliche Garung in kochendem Wasser. Dafür bleiben Geschmack und Inhaltsstoffe besser erhalten.

II. Zum Frühstück

Mein Lieblingswochenendfrühstück ist im Moment Omelett. Dabei kommt in der Regel immer mit rein, was ich im Kühlschrank so finde. Das ist nicht selten grüner Spargel. Göttlich und einfach: 3 – 4 Stangen grünen Spargel in mundgerechte Stücke schneiden (muss nicht geschält werden!); das holzige Ende wegschmeißen. Kurz in etwas Butter anbraten und auf einem Teller zwischenparken. Zwei Eier mit einem kleinen Schuss Milch oder Sahne und etwas Salz und Pfeffer verquirlen und in die Pfanne geben. Bei mittlerer Hitze stocken lassen. Kurz bevor das Ei gar ist, eine Scheibe Käse und das Gemüse auf eine Hälfte des Omelettes geben, die andere Hälfte darüber klappen und noch etwa 30 Sekunden garen lassen. Anrichten und sich freuen. Die Art Omelett ist wahnsinnig wandlungsfähig. Manchmal kommen bei mir Tomaten zu, statt Spargel nehme ich auch gerne Avocado (die ich nicht vorher anbrate). Auch Bacon oder Schinken passen prima.

III. Sizilianisch

Und hier ist er nun, der Star, das Highlight, das beste Spargelrezept, das mir in den letztenIMG_20160516_193453410 Jahren untergekommen ist. Und dabei ist es nicht aus den deutschen Gefilden, wobei sich ja gerade hier damit  gerühmt wird, Spargelheimat zu sein. Nein, es stammt von meiner amerikanisch-sizilianischen Schwägerin Bianca. Der Spargel wird im Ofen gegart, erhält eine leichte Bitterkeit vom Bräunen, die aber zugleich von der Süße des Honigs und der Salzigkeit des Parmesans aufgefangen wird. Fantastisch. Das Rezept habe ich bislang nur mit grünem Spargel getestet! Ich vemute, dass es mit weißem nicht ganz so gut funktionieren würde.

Die Enden der Spargelstangen abbrechen und das Gemüse in eine Auflaufform geben. Etwa einen Teelöffel Honig darüber träufeln, mit grobem Meersalz bestreuen und etwas Olivenöl darübergeben. Etwa eine handvoll frisch geriebenen Parmesan darüber streuen und alles für gute 15 Minuten bei 200°C Ober-/Unterhitze backen. Nach der Hälfte Zeit  einmal durchrühren, damit sich alles gut verteilt.

Der grüne Spargel wird so zur großartigen Beilage, schmeckt aber auch kalt (weshalb bei mir nie ein Rest für den nächsten Tag überbleibt) 😉

 

 

Chicken Pie – ein britisches Mahl

In der Not frisst der Teufel Fliegen.

Gut, dass sich meine teuflischen Tendenzen eher in Grenzen halten. Mein improvisiertes Feiertagsessen hat daher etwas mehr geboten.

Eigentlich sollte es heute Spargel geben. Mit Kartoffeln und Hollandaise und Schinken oder Schnitzeln.

Leider habe ich mich gestern auf dem Wochenmarkt so sehr ablenken lassen, dass ich zwar Spargel gekauft habe (Sennenspargel für 5,90€/Kg!!!) und auch Erdbeeren (frisch gepflückt aus Heiden für 2,50€/Kg) aber ansonsten nicht so viel. Also kurzerhand heute das Vorratsregal und den Kühlschrank durchsucht und umdisponiert. Was dabei rauskam, war letztendlich ein relativ klassisches britisches Essen.

Chicken Pie with Asparagus and Mushrooms
(Hähchenpastete mit Spargel und Champignons)


Für den Teig brauchen wir:
  • 125g Mehl
  • 75g (kalte) Butter
  • 3 EL kaltes Wasser
  • eine Prise Salz

Für die Füllung:

  • 200g Champignons
  • etwa 400g Spargel
  • 200g Hähnchenbrust
  • 50g Bacon
  • 1 Becher Créme Fraîche (200g)
  • 1/8 Liter Brühe (was da  ist: Huhn, Fleisch oder Gemüse)
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 Schuss Rotwein
  • 1 Zweig Rosmarin
  • 1 EL gehackte Petersilie
  • Salz und Pfeffer
  • 1 EL Mehl
  • 1 Ei

Zugegeben, so ein Pie braucht schon ein bisschen Vorbereitung. Das gute ist aber, dass man alles in Teilen vorbereiten kann und somit nicht zwingend durchgehend am Herd stehen muss.

Die Menge reicht übrigens für meine normale Auflaufform. Wer das ganze in einer Springform machen möchte, verdoppelt einfach die Mengen. Das Verhältnis der Füllungszutaten kann natürlich auch nach persönlichem Geschmack angepasst werden. Wie gesagt, ist bei mir hineingewandert, was ich gefunden habe. Ein klassischer Chicken Pie hat natürlich normalerweise einen höheren Fleischanteil. Wer mag kann zu dem Rezept noch Erbsen und/oder Möhren hinzufügen – dies hätte von der Zutatenkombination etwas von Hühnerfrikassee.


Zunächst muss der Teig vorbereitet werden, denn dieser muss eine Weile im Kühlschrank ruhen.

Die meisten Rezepte sagen, dass man mit eiskalter Butter arbeiten soll. Ich hab mit zimmerwarmer Butter gearbeitet, hier muss man sich nur bewusst sein, dass der Teig noch relativ weich sein muss, bevor er in den Kühlschrank wandert.


Wie man es auch immer machen möchte, es geht so oder so gleich los:

Die Butter in Stückchen schneiden oder in Flocken reißen und in eine Schüssel geben. Das Mehl einsieben und locker mit den Händen durchkneten/Butter und Mehl zerreiben, so dass ein feinkrümeliger Teig entsteht. Hier nun das Wasser zugeben und den Teig flott durchkneten (nicht zu lange kneten, da das Mehl sonst seine Struktur verändert und sich anders verhält. Sobald der Teig glatt geknetet ist zu einer Kugel formen und fest in Frischhaltefolie (oder einen Gefrierbeutel) einwickeln und mindestens 30 Minuten in den Kühlschrank legen. Je nachdem wie fest er nach dem Kneten war, tut ihm auch eine Stunde ganz gut. Die Butter im Teig sollte wieder so weit abkühlen, dass der Teig von der Festigkeit gut zum ausrollen ist.


Während der Teig ruht, die Füllung vorbereiten.

Den Spargel nach meinem Spargelrezept zubereiten oder wie gewohnt kochen. Er sollte allerdings noch recht bissfest sein, da er später in der Füllung noch weitergart. 

Zunächst den Bacon in Streifen geschnitten in einer Pfanne mit einem Klecks Öl ausbraten bis er knusprig ist. In eine Schüssel geben und in der selben Pfanne (ohne diese zwischendurch zu spülen!) das Huhn in mundgerechten Würfeln anbraten. Es muss nicht ‚totgebraten‘ werden, sollte aber auch nicht allzu roh sein. Ebenfalls in die Schüssel geben und weiterhin die Champignons vierteln und ebenso braten. Den gegarten Spargel in etwa 2cm lange Stücke schneiden und zu den anderen Zutaten in die Schüssel geben.

Sobald die Pilze anfangen zu garen (eventuell hierbei noch etwas Öl dazu geben, so dass nichts anbrennen kann) die Zwiebel fein würfeln und diese, sowie den Rosmarin, mitbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Alles leicht mit Mehl abstäuben und anschließend mit dem Rotwein ablöschen. Kurz aufkochen lassen und dann die Brühe hinzufügen. Die Soße etwas einköcheln lassen, so dass der Alkohol verkocht und alles eine etwas dickere Konsistenz bekommt. Nun die Créme Fraîche einrühren und die Soße zu den anderen Zutaten in die Schüssel eben. Alles verrühren und jetzt erst mit der Petersilie, Salz und Pfeffer abschmecken (das Salz kommt erst jetzt, da durch die Brühe und den Bacon vorher bereits ein recht hoher Salzgehalt in der Füllung ist).

Nun den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und halbieren. Die Arbeitsfläche mit Mehl bestäuben und den Teig ausrollen (nicht zu dick, etwa 3mm reichen um eine schöne Kruste zu bilden). 
Eine Auflaufform ölen (oder mit Butter einstreichen) und mit dem Teig auskleiden (auch der Rand sollte bedeckt sein, bzw der Teig über den Rand gehen, so dass er später mit dem Deckel fest verschließt).

Das Ei verschlagen und den Teig damit bestreichen. Nun die Füllung hineingeben.

Die zweite Teighälfte ausrollen und über der Pastete auslegen. Die Ränder fest andrücken, so dass alles luftdicht verschließt. Eventuelle Teigreste ‚dekorativ‘ (haha, meine Streife zeugen von höchster Kreativität!) verteilen und leicht andrücken.

Der Pie kann nun bis zur Zubereitung in den Kühlschrank wandern.
Sobald es logehen soll den Ofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vorheizen.

Nun die Decke der Pastete mit dem Ei bestreichen und das Ganze für etwa 35 Minuten (bis eine schöne, goldbraune Farbe erzielt ist) in den Ofen schieben.
Ich war sehr begeistert von meinem ersten ’savory pie‘!

 

Französisch für Bauern oder Boeuf Wellington mit Sauce Béarnaise

Es gibt was zu feiern! 

Nicht nur, dass im April dieses kleine Blog seinen zweiten Geburtstag gefeiert hat, auch ist es tatsächlich so, dass mittlerweile 10,000 Seitenaufrufe zusammen gekommen sind!

Wenn ich so zurückblättere auf die ersten Rezepte und Einträge und Fotos, ist das hier ein ganz schönes Sammelsurium voller Erinnerungen geworden. Daher ein dickes DANKE! an alle treuen und neuen Leser. Danke für jeden Klick, für jede Empfehlung, für jede Kritik und jede Lobhudelei. 

Durch all euer Feedback fühle ich mich als wäre ich über die Jahre an meinen Aufgaben immer ein bisschen weiter gewachsen und stelle mich auch gerne neuen kulinarischen Herausforderungen um sie mit euch zu teilen. Auf viele weitere schöne Zeiten! (Und hoffentlich bald meinen schon so lange geplanten Umzug in ein etwas moderneres und schöneres Format).


Zur Feier des Tages habe ich heute mal versucht ein paar Techniken umzusetzen, die ich zwar in der Theorie schon lange kenne aber vor denen ich bisher immer ein wenig zurückgeschreckt bin. Es gibt:

Boeuf Wellington mit Sauce Béarnaise, Spargel und geschmorten Coktailtomaten

Eigentlich kennt man es ja als Filet Wellington und durch die Pilzfarce hat es etwas leicht herbstliches. Da ich ein armes Mädchen bin habe ich das ganze heute mal versucht mit einem Rinderhüftsteak umzusetzen (wer sich nochmal erinnern möchte, wie das mit den unterschiedlichen Zuschnitten beim Rind so aussieht kann einfach noch einmal in den Fleischartikel von letztem Jahr gucken und klickt hier).  

Die klassische Zubereitung sieht ein Rinderfilet vor, das scharf angebraten und mit einer Farce (=> einer Paste) aus Champignons, Foie Gras (Gänsestopfleber) und Trüffel umhüllt in Blätterteig gebacken wird. Meine Version ist portemonaifreundlicher und schneller gemacht.

Boeuf Wellington
Wir brauchen:

  • Rinderhüfte, pro Person 180-200g, am Stück (also insgesamt ein möglichst dickes Stück, da die Gefahr so geringer ist, dass es im Ofen durchgart)
  • 250g Champignons oder Egerlinge
  • 1 TL milder Senf
  • 1 EL Schlagsahne
  • Blätterteig
  • Salz und Pfeffer
  • etwas Öl und etwas Butter
  • 1 Eigelb

Anstelle der komplizierten Farce aus dem französischen Originalrezept benutze ich eine Duxelles, also eine schlichte Champignonpaste. Hierzu werden die Champignons in Scheiben geschnitten und in etwas Butter und Öl bei mittlerer Hitze gebraten. Falls Wasser austritt sollte dieses komplett verdampfen und die Pilze eine leichte Bräunung bekommen. Nun mit Salz und Pfeffer würzen und die Pilze in einen Blender (oder eine Küchenmaschine, oder ein hohes Gefäß zum Pürieren) geben. Den Senf und etwas Sahne dazu geben und alles auf hoher Stufe zu einer feinen Paste verarbeiten. Abschmecken und erstmal an die Seite stellen.


Das Fleisch wie immer rechtzeitig, also etwa 1 Stunde vor der Zubereitung, aus dem Kühlschrank nehmen. Eine Pfanne sehr heiß erhitzen und das Steak mit Salz und Pfeffer würzen und mit etwas Öl bestreichen (das Öl am Fleisch reicht zum braten, so muss kein weiteres Fett in die Pfanne geben werden und es spritzt nicht so). Das Fleisch von allen Seiten knallheiß anbraten, es soll nur tüchtig Farbe kriegen und noch nicht sonderlich garen. 

Den Blätterteig ausrollen und mit der Duxelles bestreichen. Hier das Fleisch drauflegen und fest verpacken, so dass der Blätterteig sich nicht an zu vielen stellen überlappt, die Packung aber dicht ist. Den Blätterteig mit dem Eigelb bestreichen und alles auf ein (mit Backpapier belegtes) Backblech geben.

Tipp: Blätterteig immer direkt aus dem Kühlschrank verarbeiten. Liegt er ein paar Minuten im warmen wird er recht klebrig, reißt schnell und lässt sich nur schwer verarbeiten.

Das Päckchen bei 220°C Ober-/Unterhitze im vorgeheizten Ofen etwa 20-25 Minuten backen. Wer hier sicher gehen will den Garpunkt nicht zu versauen kann mit einem Kernthermometer arbeiten (zu den perfekten Kerntemperaturen geht’s hier).

Hat alles gut geklappt ist der Blätterteig fluffig und knusprig und das Fleisch noch wunderbar rosa.

Da der Blätterteig bereits recht kohlehydratehaltig ist, reicht eine gemüsige Beilage. Bei mir gibt’s dazu leckeren Spargel aus dem Ofen und kurz im ganzen in der Pfanne geschwenkte und mit Balsamico abgelöschte Coktailtomaten.

Für den AHA-Effekt sorgt aber noch eine leckere selbst gemachte Sauce Béarnaise, die sowohl zum Spargel als auch zum Fleisch hervorragend passt. Béarnaise ist einer Hollandaise sehr ähnlich. Sie sind beide Soßen die auf einer Eigelb-Butter-Emulsion basieren und die heutzutage mittlerweile von den meisten Menschen aus dem Tetrapack genossen werden. Eine frisch gemachte Béarnaise ist auf jeden Fall ein Hingucker am Tisch und ein besonderes Geschmackserlebnis. Sie passt übrigens auch richtig gut zu selbstgemachten Pommes (die hab ich gestern gekocht und darüber poste ich auch noch in naher Zukunft).

Sauce Béarnaise
Wir brauchen:

  • 1 Schalotte (oder notfalls eine halbe kleine Zwiebel)
  • 1 EL Estragon (am besten frischen)
  • 1 EL Kerbel und Petersilie
  • 1/8 Liter Weißwein
  • 1 EL Weißweinessig
  • 2 Eigelb
  • 125g Butter
  • Salz

Zunächst müssen wir eine Reduktion erstellen. Dazu die Kräuter, die Schalotte, den Weißwein und den Essig in einen kleinen Topf geben (es muss nichts angebraten werden) und auf mittlere Hitze stellen. Alles köcheln lassen, bis etwa die Hälfte der Flüssigkeit verdampft ist (das hat bei mir in etwa 20 Minuten gedauert). Anschließend durch ein feines Sieb geben und die Reduktion auffangen.

Die Butter auf kleiner Temperatur in einem Topf zerlassen und ggf. klären in dem man sie durch ein Küchenkrepp gibt (um die Molke zu trennen). Es geht theoretisch auch ohne klären, kann aber evtl. dazu führen, dass die Soße sich später trennt.

Nun einen Topf mit etwas Wasser aufsetzen und zum Siedepunkt bringen (das ist der Punkt, an dem das Wasser gerade so anfängt zu köcheln ohne zu sprudeln). Eine Schüssel (Plastik oder Glas finde ich am besten geeignet) darüber setzen, so dass sie nicht das Wasser berührt aber von dem Wasserdampf erwärmt wird. Hier drin die Eigelbe und die Reduktion geben und kräftig schaumig schlagen, so dass sich das Volumen deutlich vergrößert. Aufpassen, dass das Ei nicht stockt oder gerinnt!

Immer kräftig mit dem Schneebesen weiterschlagen und Tropfen für Tropfen die flüssige Butter einrühren. Sobald die Soße ein wenig Konsistenz bekommen hat, kann man die Butter in einem langsamen Strahl dazugeben.

Ganz zum Schluss die Sauce Béarnaise mit Salz und ggf. Pfeffer abschmecken und noch ein paar frische, gehackte Kräuter unterrühren. So richtig knall heiß ist die Soße natürlich nicht, und es empfiehlt sich auch nicht sie aufzuwärmen 😉 aber lecker ist’s trotzdem allemal.

Übrigens noch ein Tipp am Rande: Auch wenn hier rohe Eigelbe verarbeitet werden, sind diese am Ende der Produktion natürlich nicht mehr ‚roh‘. Eigelb stockt bei einer Temperatur von 68°C – durch das Aufschlagen über heißem Wasserdampf wird eine Temperatur die knapp darunter liegt erreicht. Große Angst vor Salmonellen braucht man hierbei nicht zu haben, zu mal diese i.d.R. nicht im Ei angesiedelt sind, sondern über die Schale transportiert werden. Also nach dem Eier aufschlagen immer schön die Hände waschen!

Bon Appetit Mesdames et Messieurs!

Yvonne

Happy Birthday Mr. Asparagus!

Es ist soweit – die Spargelzeit ist offiziell da!

Jedes Jahr am 17.April geht sie los und zieht sich bis zum sogenannten Johannistag, dem 24.Juni. Dies frühe Ende erklärt sich durch eine Absprache der Bauern, um die Pflanzen soweit so schonen, dass sie im  nächsten Jahr wieder gut gedeihen können.

In diesem Jahr hat die Spargelsaison aufgrund der zwischendurch guten Witterungsverhältnisse bereits vor Ostern angefangen und wird daher vermutlich auch ein etwas eheres Ende finden.

(Gesichtet am Gründonnerstag: Deutscher weißer Spargel im Supermarkt für 14,99/Kg auf dem Wochenmarkt für 19,99/Kg – da warte ich dann doch lieber noch die paar Wochen bis zur offiziellen Saison..)

Spargel gilt nicht nur als äußerst wohlschmeckend und vielfältig, sondern ist dazu auch noch sehr gesund. Er ist entwässernd und äußerst kalorienarm (180 Kalorien pro Kilogramm!).

Am besten schmeckt er natürlich frisch vom Markt. Muss er doch einmal ein paar Tage überstehen empfehle ich ihn in ein feuchtes Küchenhandtuch oder Küchenkrepp einzuwickeln, so bleibt er schön knackig. Das ist auch die beste Aufbewahrungsvariante, wenn man z.B. bereits morgens schälen will um aus den Schalen eine Suppe anzusetzen und den geschälten Spargel erst am Abend verarbeiten will.

Frischen Spargel erkennt man vor allem daran, dass die Köpfe oben noch geschlossen sind und die Enden sich fest anfühlen. Wer die Stangen beim Verkaufsstand selbst per Hand ausliest kann auch zwei Stangen aneinander reiben. Quietschen diese, ist dies ein weiteres Zeichen von Erntefrische.

In meiner Küche gibt es die unterschiedlichsten Varianten Spargel unterzubringen. Dazu zählt vor allem eine leckere Suppe, Spargel natur als Beilage, Spargel-Schinken-Röllchen (ein Hoch auf die 70er!) und gebratener grüner Spargel (den ich eigentlich eh fast noch lieber mag als den weißen).

Weißer Spargel muss relativ gut geschält werden. Hierzu empfiehlt sich ein ordenlticher Sparschäler, der nicht superdünn schält, denn sonst wird man die holzige Schale nie

los. Der oberste Bereich am Kopf muss nur ganz leicht geschält werden, der unterste Teil der Stange muss dafür ganz ab. Hier gibt es quasi so eine Art Sollbruchstelle. Man greift den Spargel im unteren Drittel mit beiden Händen und biegt ihn langsam. Die Stelle an der er von sich aus bricht markiert das Ende des holzigen Teils.

Grüner Spargel muss in der Regel gar nicht oder kaum geschält werden.

Mhmmmm Spargelcremesuppe….

Ich mache es meistens so, dass ich mittags oder morgens den Spargel komplett schäle, alle Schalen und Abschnitte in einen Topf schmeiße, eine halbe Scheibe Zitrone kommt dazu, eine Prise Zucker, etwas Salz und ein Stich Butter. Die Schalen übergieße ich mit kochendem Wasser und lasse den ganzen Nachmittag ziehen (oder manchmal auch bis zum nächsten Tag).

Zum Verarbeitungszeitpunkt stelle ich den Topf inklusive der Schalen noch einmal auf die Hitze, lasse das Ganze etwa eine halbe Stunde sanft köcheln (Spargel und Spargelschalen NIEMALS wild kochen! Das löst Bitterstoffe und versaut den Geschmack!). Anschließend wird der gewonnene Spargelfond aufgefangen, die Schalen entsorgt. Nun ein gutes Stück Butter zerlassen, Mehl einrühren bis eine feste Masse im Topf entsteht und vorsichtig mit etwas Milch, Sahne oder Wasser ablöschen, so dass die Mehl-Butter-Mischung sich auflöst. Dann mit dem Spargelfond weiter aufgießen.

Eine Mehlschwitze immer zunächst mit kalter Flüssigkeit anfangen, das verhindert die Klumpenbildung!

Die Suppe jetzt ein wenig einkochen lassen, mit Salz und Pfeffer würzen und mit etwas Sahne weiter auffüllen. Wer Mag kann jetzt als Einlage noch Stücke vom guten Spargel oder/und Schinkenstreifen dazugeben.

Spargeltopf, Spargelzange, AnderesvölligunsinnigesKüchenutensil?

Es kann so einfach sein.

Spargel kochen ist keine große Kochkunst, kein Mysterium, und vor allem braucht man dafür weder einen speziellen Topf, der für nichts anderes taugt, noch eine seltsam speziell geformte Zange von WMF für 40 Euro.

Wir brauchen:

  • Spargel, geschält; weiß oder/und grün
  • Butter
  • Zitrone
  • Salz
  • Evtl. etwas Spargelsud (der ergibt sich dann z.B. aus dem oben beschriebenen Schalenüberbrühen, ansonsten geht auch etwas Wasser)
  • ein bisschen Zucker
  • Alufolie
  • einen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorgeheizten Backofen.

Die Alufolie wird in einer langen Bahn von der Rolle getrennt und einmal gefaltet, so dass sie doppelt liegt. Hier wird der Spargel draufgelegt, ein paar Butterflöckchen drüber verteilt, eine halbe Scheibe Zitrone dazugelegt, etwas Zucker drüber gestreut und Sals darüber gemahlen. Nun die Folie zum Schiffchen formen und ein paar Esslöffel Spargelfond dazugeben. Die Alufolie jetz an den Enden fest zusammendrehen und oben doppelt zufalten, so dass ein luftdichtes Spargelschiffchen entsteht.

Ab jetzt ist es ganz einfach. Die Schiffchen kommen ab in den Ofen und verweilen dort in etwa für die nächsten 30 Minuten. Beim ersten Mal muss man ein bisschen rumprobieren und vielleicht nach 20 Minuten zum ersten Mal ein Schiff rausnehmen, kurz aufmachen und gucken wie weit der Spargel ist. Das hängt viel vom jeweiligen Ofen ab. Ich persönlich mag ihn am liebsten nach 35-40 Minuten. Noch leicht bissig aber noch nicht weich.

Um zu gucken wie weit der Spargel ist, nimmt man eine Gabel und hebt eine Stange damit mittig an. Wenn der Spargel grade darauf liegt ist er noch zu hart, wenn er sich leicht an den Enden nach unten hängt ist er al dente, und so weiter.

Der Vorteil dieser Garmethode ist zum einen, dass Platz auf dem Herd freibleibt, außerdem kann man parallel etwas anderes im Ofen garen. Vor allem bleibt das Gemüse bei dieser Methode aber sehr vitaminreich und geschmacksvoll, da beides nicht an umliegendes Wasser abgegeben wird. Auf diese Art wieder der Spargel quasi im eigenen Dampf gedünstet.

Einzig zu beachten gilt, dass man nicht ein riesen Alupaket mit einem Pfund Spargel macht,

sondern immer Päckchen á 200g – 250g, ansonsten würde sich die Garzeit erheblich erhöhen und es wird dann auch schwierig das Alufschiff zu falten.

Spargelwahn

Wem das alles zu langweilig ist, der hat noch viele andere Möglichkeiten das Lieblingsgemüse der Deutschen (sagten 13,1% der Deutschen in einer Umfrage 2007) zu verarbeiten.

Als Spargelquiche, gebratenem Spargel, asiatisch angehaucht mit Teriyakisoße, Spargelpesto, überbacken oder als lauwarmer Salat. Grenzen gibt es hier kaum. Erlaubt ist, was schmeckt.

Ich habe neulich ein Rezept für „Spargel-Cordon Bleu“ gelesen, welches sich noch auf meiner Muss-ich-unbedingt-ausprobieren-List befindet. Hierzu wird leicht vorgegarter Spargel mit einer Scheibe Käse, dann einer Scheibe Schinken umwickelt und ganz normal in Ei und Paniermehl paniert, um anschließend in Butterschmalz ausgebacken zu werden. Klingt irgendwie sehr schräg aber nicht unlecker. Falls ich dieses Experiment wage, wird es hier natürlich dazu einen Bericht geben.

Sehr modern ist in den letzten Jahren auch die Kombination von Spargel mit Erdbeeren geworden. Was haltet ihr davon, dieses klassische Dessertobst mit einem so eigenwilligen Aroma wie dem des Spargels zu kombinieren?!

Zuletzt bleibt noch der ewige Hype um den Deutschen Spargel zu klären. Deutscher Spargel schmeckt eigenltich genauso wie griechischer oder spanischer Spargel – nach Spargel. Das ist aber auch ein  bisschen so als würde man sagen, englisches Bier schmeckt halt wie deutsches Bier nach Bier – besteht ja auch irgendwo nur aus Hopfen und Malz. Der Unterschied liegt tatsächlich beim Spargel nicht so sehr im Geschmack als in der Qualität. Der in Deutschland gezogene Spargel wächst auf freier Fläche, in dafür geeignetem Boden und wird per Hand ordentlich gestochen. Er landet direkt am Stechtag im Verkauf und bietet daher vor allem  absolute Frische. Das Gemüse, was einen Transportweg von mehreren Hundert Kilometern zurückgelegt hat, kann damit nicht mehr dienen. Dieser Spargel wird schonmal schnell holzig, oder bricht beim Schälen auseinander. Oft hat man am Ende mehr Abschnitt und Schale als schieren Spargel über. Dafür zahlt man für’s Pfund eben auch nur 2,99€. Meiner Meinung nach kann man das mal durchaus machen, wenn es um eine Suppeneinlage oder ähnliches geht.

Ich wurde vor einigen Wochen im Aldi an der Kasse von eienm älteren Herren hinter mir angesprochen. Ich hatte einen Bund frischen weißen Spargel aus Peru mitgenommen (als Suppeneinlage für eine leckere Lübecker Hochzeitssuppe) und wurde irritiert bestaunt, dass es zu seiner Zeit sowas noch nicht gab, Spargel Ende März. In seinem Einkauf lagen Paprika und Kiwis. Dass die Ende März in Deutschland Saison haben wage ich schwer zu bezweifeln.

Diese Pseudo-Gutmensch-Mentalität á la Spargel kauf ich nur aus Deutschland, aber nicht einmal gucken, dass selbst im Hochsommer das Discountergemüse importiert ist… argh. Irgendwann hab ich mein riesiges Stück land in Italien und lebe von der Subsistenzwirtschaft, dann brauch ich mich auch nicht mehr im Supermarkt über andere ärgern.